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Großbritannien: Angst vor Brain Drain:Abschreckendes Deutschland

"Grundsätzlich verstehen wir uns als Partner, da wünscht man natürlich niemandem etwas Schlechtes", sagt Dorothee Dzwonnek, Generalsekretärin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Allerdings stünden die Chancen, die besten Köpfe nach Deutschland zu holen, derzeit günstig - nicht nur weil sich in Großbritannien durch die Sparpolitik viele Dinge zum Schlechteren entwickeln könnten, sondern weil Deutschland selber attraktiver geworden sei. "Durch die Exzellenzinitiative können wir hervorragende Profile und Forschungsbedingungen bieten, das hat sich in der Welt herumgesprochen."

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Tatsächlich sind durch das Förderprogramm, in dessen zweiter Runde es gerade um die Verteilung von 2,7 Milliarden Euro geht, einige deutsche Standorte international sichtbar geworden. In Kombination mit der guten wirtschaftlichen Lage hierzulande könnte durchaus so etwas wie ein Brain Drain entstehen, glaubt man bei der DFG; oder international mobile Forscher würden sich eben nicht mehr für England entscheiden. In Gesprächen mit Hochschulleitungen, so Dzwonnek, höre sie zunehmend solche Hoffnungen.

Deutschland exportiert Akademiker

Deutschland hat zuletzt fast 900.000 Akademiker, unter ihnen Forscher, in andere OECD-Länder exportiert, aber nur ein Drittel davon angelockt, wie das Institut der deutschen Wirtschaft errechnete. Aus vielen kontinentaleuropäischen Ländern zeigten bisher die Wanderungsbewegungen nach England. Als attraktiv gelten dort auch die flachen Hierarchien des Systems, in dem die Hochschulen viel Autonomie haben. Während in Deutschland langwierige Berufungsverfahren Forscher oft zur Weißglut treiben, geht dies in England gerne rasch vonstatten.

"Ich hatte damals am Vormittag das Interview und schon am Nachmittag das Stellenangebot", erinnert sich Harald Fuess. Der Heidelberger Professor für Kultur- und Wirtschaftsgeschichte am Exzellenzcluster "Asia and Europe" lehrte an der Uni Sheffield, war Gastwissenschaftler in Oxford. Er glaubt, dass Deutschland grundsätzlich attraktiv genug sein kann, um ausländischen Unis ihre Kräfte abzuwerben.

Zwar gebe es Hemmnisse, die abschreckten: etwa die Versessenheit auf die Habilitationsschrift, ohne die man hierzulande in einigen Fächern kaum auf eine Professur hoffen kann. Doch stattdessen könne man "die Leute über Inhalte gewinnen". Er hat in seinem Forschungsfeld in Heidelberg bereits Mitarbeiter aus England; von Herbst an kommen voraussichtlich ein Brite aus Oxford und eine Russin aus Cambridge dazu. "Noch vor fünf Jahren hätten Briten Deutschland wohl überwiegend gar nicht in Erwägung gezogen", sagt er.

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