Gleichbehandlungsgesetz:Hochschwanger ohne Existenzgrundlage

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Die Arbeitspsychologin Ulrike Schraps, die an der Freien Universität Berlin über Geschlechter und Karriere forscht, rät deshalb dazu, vor einer Klage alle anderen Möglichkeiten auszuschöpfen, etwa ein Gespräch mit weiblichen Vorgesetzten. "Für den beruflichen Aufstieg sind Sie auf Netzwerke und Ihren Ruf angewiesen und beides können Sie durch so eine Klage schädigen", sagt Schraps. Eisele sah nach mehreren Gesprächen und Briefen eine solche Möglichkeit nicht mehr. "Es ist traurig, dass keiner aufmuckt", sagt sie.

Doch wie kommt Eisele auf die hohe Summe von 500.000 Euro? Ihr Anwalt Michael Alenfelder, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Antidiskriminierungsrecht ist, und sein Kollege Frank Jansen legen in ihrer Klageschrift ausführlich dar, warum die Summe auch bei einem Bruttogehalt von 3600 Euro im Monat nicht aus der Luft gegriffen ist. Das AGG und die EU-Vorgaben dazu sehen ausdrücklich eine abschreckende Strafe vor, die über den rein materiellen Schaden wie Einkommensverlust weit hinausgeht.

Eine halbe Million Euro wären immer noch weit von manchen Summen in angelsächsischen Ländern entfernt. So bekam 2005 eine Brokerin der Schweizer Bank UBS in den USA 29,3 Millionen Dollar zugesprochen, weil ein Vorgesetzter sie "eine alte, hässliche Frau" genannt hatte. In Großbritannien wurde die Deutsche Bank 2006 wegen Mobbings und Geschlechtsdiskriminierung zu 1,2 Millionen Euro Schadensersatz verurteilt. Ausgerechnet die R+V bietet gegen solche Urteile Versicherungen an.

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