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Girls' Day:Warum gerade Jungs den Mädchentag brauchen

Jungen und Männer stehen immer noch unter einem hohen Erwerbs- und Karrieredruck. Das führt gerade bei den jungen Männern, die kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, oft zu biographischen Krisen. Das wird noch dadurch verstärkt, dass viele junge Männer sich mit ihren Ängsten und Schwächen nicht mitteilen können. Sich bei Anderen Hilfe holen, gilt als unmännlich.

Was Kinder werden wollen: Die beliebtesten Berufe.

(Foto: Grafik: sueddeutsche.de)

Auch Fragen zur Lebensplanung sind wichtig: Will ich eine Familie? Könnte ich mir vorstellen, Hausmann zu sein?

Die Schulen müssen die Jungen darauf vorbereiten, was sie auf dem Arbeitsmarkt erwartet. Und unter dem Gleichstellungsaspekt auch darauf, was die meisten Frauen von ihnen erwarten.

sueddeutsche.de: Sie selbst haben einen für Männer untypischen Beruf gewählt.

Cremers: Ja, ich habe soziale Arbeit und Erziehung studiert. Davor hatte ich eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann gemacht. In dem Betrieb waren 95 Prozent Frauen. Das war eine interessante Erfahrung, aber auch schwierig.

Wenn Jungen in Frauen-Berufen arbeiten, müssen sie sich auf eine andere Art selbst behaupten. Häufig machen sie die Erfahrung, dass ihnen automatisch Aufgaben zugeschrieben werden, die als typisch männlich gelten. Plötzlich sind immer sie es, die handwerkliche oder technische Probleme lösen müssen, oder denen zugemutet wird, Schweres zu tragen. Aber warum ist das so und will man das eigentlich? Damit muss man sich doch auseinandersetzen.

In sozialen Einrichtungen wie Kindergärten, wo häufig nur Frauen beschäftigt sind, übernehmen diese selbstverständlich solche Aufgaben selbst.

sueddeutsche.de: Wird Berufsberatung jetzt nur noch getrennt nach Geschlecht angeboten?

Cremers: Nein, aber es ist eine sinnvolle Ergänzung. Bei der Jungenarbeit gibt es noch Nachholbedarf. Mädchen stehen schon länger im Fokus. Leider gibt es gar nicht so viele Männer, die sich für Jungenarbeit einsetzen. Meistens wird das von Frauen organisiert. Das Projekt "Neue Wege für Jungs" birgt auch die Chance, dass mehr Männer Lust bekommen, sich dafür verantwortlich zu fühlen.

© sueddeutsche.de
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