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Geschäftsbeziehungen:"Vierhundert Silben, vier Töne - und Sie können Chinesisch"

After Xi Jinping's visit to Britain, German Chancellor Angela Merkel keen to show she 'knows China best'

Beim Merkel-Besuch in Peking wehten die Nationalflaggen einträchtig.

(Foto: AP)

Eine Begrüßung, eine Tischrede, ein paar freundliche Floskeln: Geschäftsleute lernen in einem Crashkurs, wie sie in China die Form wahren.

Von Ingrid Brunner

Mit dieser Ankündigung löst Manuel Vermeer bei seinen Zuhörern zuverlässig Heiterkeit aus: "Chinesisch ist eine der leichtesten Sprachen der Welt." Um dann einzuschränken: "Auf einem extrem niedrigen Niveau gesprochen." Und natürlich sei es eine der schwersten Sprachen, wenn man sie auf einem hohen Niveau sprechen wolle. Doch darum kann es im zweitägigen Workshop Intensivsprachkurs Chinesisch, veranstaltet vom Chinaforum Bayern in München, nicht gehen. Ziel sei es vielmehr, sich positiv in der Wertschätzung der chinesischen Geschäftspartner in Erinnerung zu bringen. Dies gelinge, indem man ein paar Höflichkeiten austauschen könne, sich vielleicht einen chinesischen Namen zulege, einen Trinkspruch oder eine kleine Tischrede halten könne. Und das, verspricht Vermeer, sei in zwei Tagen zu schaffen.

Die Kursteilnehmer haben China schon kennengelernt. Sie arbeiten bei Weltkonzernen oder Mittelständlern, in Anwaltskanzleien, Ministerien, Agenturen oder in der Hotelbranche. Und sie wissen bereits, dass die Höflichkeiten, die man gerne austauschen würde, oft nicht die gewünschte Wirkung erzielen. Anscheinend gibt es viele Missverständnisse und Stolperfallen in den deutsch-chinesischen Beziehungen. Darum bringen sie eine Menge Fragen mit, die der Chinaexperte Vermeer beantworten soll. Trotzdem oder gerade deshalb sind sie fest entschlossen, den Referenten beim Wort und nach zwei Tagen eine fertige Tischrede mit nach Hause zu nehmen.

Vermeer ist Sinologe, hat in China studiert und war anschließend als Simultandolmetscher bei deutsch-chinesischen Staatsbesuchen unter anderem für Helmut Kohl oder Lothar Späth tätig. Seit 1988 lehrt er an verschiedenen Hochschulen, etwa am Ostasieninstitut der Hochschule Ludwigshafen. Zudem berät er Unternehmen bei ihrem China-Geschäft. Mehrmals im Monat fliegt er für Kunden nach China. Oft wird er gerufen, wenn Gespräche ins Stocken geraten oder bereits etwas schiefgelaufen ist. Der geplatzte Verkauf des Flughafens Frankfurt/Hahn an einen chinesischen Interessenten? Für ihn eine sträfliche, wenngleich gar nicht so seltene Mischung aus Blauäugigkeit und schlechter Vorbereitung vonseiten der Deutschen. Er kennt die Mentalität der Menschen im Reich der Mitte - und er weiß, wie stark sich deren Denkweise von der westlichen unterscheidet.

So streut Vermeer zwischen seine Sprachlektionen immer wieder Wissenswertes ein - etwa zur Farbsymbolik: Rot verheißt Glück und Wohlstand, Gold ist die Farbe des Kaisers. Demnach ist ein Geschenk, in rotes Papier verpackt und mit einer goldenen Schleife, bereits vor dem Auspacken ein Volltreffer. Und wenn dann noch ein guter Rotwein drin ist, kann fast nichts mehr schiefgehen. Man lernt sehr schnell: Sprache und Kultur sind in China zwei Seiten derselben Medaille. Dieser Sprachkurs ist zugleich ein interkulturelles Training.

Nun aber zur Sprache: Gelehrt werden einige leicht kombinierbare Module Mandarin, der chinesischen Hochsprache. Es versteht sich von selbst, dass man bei 30 000 bis 40 000 chinesischen Schriftzeichen besser auf die phonetische Umschrift zurückgreift. Vier Tonhöhen gilt es zu unterscheiden und in der Aussprache zu beherrschen, denn beispielsweise die Silbe "ma" kann je nach Betonung Mama, Stroh, Pferd oder schimpfen heißen.

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