Gender Pay Gap Auch in Redaktionen gibt es mehr Chefs als Chefinnen

Der neu gewählte Bundestag hat eine so niedrige Frauenquote wie zuletzt vor 20 Jahren. Würde der Bundestag die deutsche Bevölkerung widerspiegeln, müssten es 140 weibliche Abgeordnete mehr sein.

In der neuen Bundesregierung, die diese Woche vereidigt wurde, sitzen neben der Kanzlerin sechs Ministerinnen und neun Minister. Die Frauenquote am Kabinettstisch ist nicht ungewöhnlich hoch, aber es gilt als Fortschritt, dass die konservative CDU genauso viele Ministerinnen stellt wie Minister.

Neben den 709 Bundestagsabgeordneten dienen Zehntausende weitere Menschen dem Staat. In den 23 obersten Bundesbehörden, also etwa in Ministerien oder im Bundesverfassungsgericht, arbeiten etwa 25 000 Menschen - 54 Prozent davon sind Frauen, wie das Statistische Bundesamt vor Kurzem errechnet hat. Geht der Staat also mit gutem Beispiel voran? Nicht ganz: Der Frauenanteil in allen Leitungsfunktionen in den Behörden beträgt nur 35,3 Prozent.

Auch Redaktionen sind weit von einer fairen Verteilung der Chefposten entfernt - auch wenn sie lieber auf andere zeigen. Pro Quote zählt seit 2012 regelmäßig Textchefinnen, Ressortleiterinnen und Chefredakteurinnen in den größten Print- und Online-Publikationen und errechnet einen gewichteten Frauen-Machtanteil. Das Ergebnis ist - im übertragenen Sinne sowie wörtlich auf der Homepage des Vereins - "als animiertes Kamele- und Strauße-Rennen zu beobachten". In diesem Rennen bewegen sich die Süddeutsche Zeitung und SZ.de im Mittelfeld.

Dem Prüfungs- und Beratungsunternehmen EY zufolge ist die Zahl der Frauen in den Vorständen börsennotierter Unternehmen in den vergangenen Jahren gestiegen. Demnach sitzen 50 Frauen im Vorstand eines der 160 Unternehmen der Börsenindizes Dax-, M-Dax-, S-Dax- und Tec-Dax - vor einem Jahr waren es noch 43.

Seit 2016 müssen neue Aufsichtratsposten in börsennotierten Unternehmen mit Frauen besetzt werden - so lange, bis eine Quote von 30 Prozent erfüllt ist. Das Familienministerium hat durch die Gesetzesänderung eine Steigerung festgestellt: Inzwischen sind 28,1 Prozent der 1574 Aufsichtsratsmitglieder Frauen.

Auch aus diesem Grund bewertet Gewerkschafterin Hannack die große Koalition der vergangenen Jahre positiv. "Wir konnten innerhalb von einer Legislaturperiode einige gleichstellungspolitische Akzente setzen, auf die wir 15 bis 20 Jahre gewartet hatten", sagt Hannack und nennt neben der Quote für Aufsichtsräte die Entwicklung von Elterngeld und Elterngeld Plus sowie das Entgelttransparenzgesetz. "Das Gesetz ist ein Schritt in die richtige Richtung - auch wenn es überhaupt nicht so geworden ist, wie wir es uns gewünscht haben", sagt Hannack. Wie zahlreiche Kritiker ist sie von der Neuregelung, die seit einigen Wochen in Kraft ist, enttäuscht. Denn das Gesetz verpflichtet zwar große Unternehmen dazu, Auskunft über ungleiche Löhne zu geben - aber nicht dazu, Ungerechtigkeiten zu beseitigen.

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