Gehirndoping im Studium Einmal schlucken für die Bestnote

Immer wach und hochkonzentriert: Vor wichtigen Prüfungen greifen Studenten schon mal zu Medikamenten wie Ritalin, um das Beste aus sich rauszuholen. An die gesundheitlichen Folgen, denken sie nicht.

Die Klausur steht kurz bevor, und der Bücherberg wird und wird nicht kleiner. Welcher Student wünscht sich in so einer Situation nicht eine Wunderpille, mit der sich der Stoff im Handumdrehen lernen lässt? Vermeintlich gibt es diese Mittel bereits - und manch ein Student greift darauf zurück, um seine Gehirnleistung zu steigern oder das Schlafbedürfnis zu senken. Ob solches "Hirndoping" mit Ritalin und Co. wirklich den gewünschten Effekt bringt, ist aber längst nicht klar. Und möglicherweise sind die Pillen nicht ganz ungefährlich.

Vor wichtigen Prüfungen ist Studenten manchmal jedes Mittel recht, um sich eine gute Note zu erarbeiten.

(Foto: dpa)

"Es kommt immer wieder vor, dass sich Studierende mit Medikamenten für eine Hausarbeit oder eine Prüfung fit zu machen versuchen", sagt Claus Normann von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde in Berlin. Das sei eine Welle aus den USA, die in den vergangenen Jahren immer mehr nach Deutschland herüberschwappe. Am häufigsten werden die Mittel Ritalin und Vigil mit Hirndoping in Verbindung gebracht - auch bekannt unter dem Namen des Wirkstoffes Modafinil.

"Vigil wird eigentlich bei seltenen Schlafstörungen eingesetzt, da es hilft, wacher zu sein und weniger Schlaf zu benötigen", erklärt Normann, der Oberarzt an der Universitätsklinik Freiburg ist. Ritalin hingegen werde normalerweise eingesetzt, wenn jemand unter einem Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom leidet. "Es aktiviert den Hirnstoffwechsel, sodass man sich auf das Wesentliche konzentrieren kann." Beide Mittel sind verschreibungspflichtig.

Substanzen wie diese kennen viele Schüler und Studenten, wie Klaus Lieb und Andreas Franke von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz in einer Studie herausgefunden haben. Nur 1,6 Prozent der 1035 befragten Schüler gaben jedoch an, schon einmal Stimulanzien wie Ritalin und Modafinil gezielt zur geistigen Leistungssteigerung genommen zu haben. Bei den 512 befragten Studenten lag der Wert unter 1 Prozent. "Das hört sich zwar nicht viel an, doch uns erschrecken diese Zahlen schon", sagt Franke. "Immerhin sind zahlreiche Schüler und Studenten bereit, solche Mittel einzunehmen - nur 10 bis 20 Prozent gaben an, sie unter keinen Umständen nehmen zu wollen."

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