bedeckt München
vgwortpixel

Gehaltsreport:Diese Branchen zahlen am meisten

Ärzte sind mit einem Durchschnittsgehalt von 83 000 Euro die bestbezahlte Berufsgruppe.

(Foto: Robert Haas)
  • Laut aktuellem Stepstone-Gehaltsreport sind die Gehälter in Deutschland 2016 deutlich gestiegen.
  • Medizin- und Chemiebranche zahlen der Untersuchung zufolge am besten.
  • Im Finanzsektor dagegen stagnieren die Löhne.

Die Deutschen können sich über mehr Geld freuen. Vergangenes Jahr stiegen die Löhne nach Abzug der Inflation um 1,8 Prozent, teilt das Statistische Bundesamt mit. Die Zunahme war die dritthöchste in den vergangenen zehn Jahren. 2015 waren die Reallöhne mit 2,4 Prozent allerdings noch etwas stärker gewachsen.

Das Lohnplus 2016 lag weniger an der Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer, sondern an der geringen Preissteigerung. Ohne Berücksichtigung der Inflation nahmen die Löhne genauso zu wie im Schnitt der vergangenen Jahre. Die Inflation fiel aber mit 0,5 Prozent nur halb so hoch aus wie im Durchschnitt - real blieb also mehr Geld im Portemonnaie.

Das verheißt für dieses Jahr deutlich weniger Lohnplus. Denn 2017 winken deutlich höhere Preise. Im Januar lag die Teuerungsrate bei fast zwei Prozent. Wie viel genau jemand verdient, hängt aber nicht nur von volkswirtschaftlichen Trends ab, sondern stark von der Entwicklung in einzelnen Berufen und Branchen. Das zeigt der neue Gehaltsreport der Stellenbörse Stepstone über Fach- und Führungskräfte, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Demnach waren Ärzte 2016 mit durchschnittlich 83 000 Euro im Jahr die bestbezahlte Berufsgruppe.

Die Mediziner, für die es 20 Prozent mehr Stellenanzeigen gab, bauten ihren Abstand zu anderen Berufsgruppen aus. Lagen sie im Jahr zuvor nur knapp vor Ingenieuren und Rechtsberufen, folgen diese mit 65 000 sowie 62 000 Euro nun mit Abstand, ebenso Banker und Informationstechniker. Oft mit weniger als 60 000 Euro zufriedengeben müssen sich Berufsgruppen wie Vertrieb, Forschung, Marketing und Einkauf. Bildung, Soziales, Handwerk, Therapie und Pflege landen abgeschlagen mit 40 000 Euro und weniger.

In Großbetrieben sind die Gehälter um ein Drittel höher als in kleinen Firmen

Die Stellenbörse befragte für den Report 60 000 Fach- und Führungskräfte. Durchschnittsgehälter, die Berufsanfänger ebenso einschließen wie erfahrene Kräfte, erlauben natürlich nur eine Annäherung an die Neugierfrage, was der Nachbar oder Kollege wirklich genau verdient. Aufschlussreiches lässt sich trotzdem aus den Daten herauslesen.

Unternehmensgröße hat Einfluss auf Gehälter

So teilt der Report Firmen in drei Größenklassen und zeigt bemerkenswerte Differenzen. Betriebe mit mehr als 1000 Mitarbeitern zahlen ein Drittel mehr als kleinere mit unter 500 Beschäftigten. Besonders eklatant sind die Unterschiede etwa bei Juristen. Wer in einer Großfirma angestellt ist, trägt 80 000 Euro im Jahr nach Hause. Wer in einem kleineren Betrieb zur Arbeit geht, kann nur mit gut 50 000 Euro rechnen. Zu dieser Gruppe dürften die vielen einzelnen Anwälte zählen, deren Verdienst sehr stark schwankt.

Starke Veränderungen gab es 2016 beim Gehaltsranking nach Branchen. Die Banken, zuvor jahrelang Nummer eins, rutschten auf den fünften Platz ab. Neue Spitzenreiter sind Chemie/Erdöl, Pharmaindustrie sowie Luft- und Raumfahrt, wo im Schnitt jeweils rund 68 000 Euro gezahlt werden. Auch die Autoindustrie hat sich vor die Banken geschoben. Die registrieren zwar ein Gehaltsplus, aber ein geringeres als die anderen Wirtschaftszweige.

Zwischen den Branchen klaffen weiterhin starke Lücken. Fach- und Führungskräfte der Chemiebranche kassieren 30 000 Euro mehr als solche aus dem Handwerk. Auch Hotel, Gastronomie, Bildung und Training rangieren ganz unten.

Wichtiger als Geld sind das Klima im Unternehmen oder Karrierechancen

Wer demnächst ein Studium antreten will, kann sich nach der Lektüre des Gehaltsreports seine Gedanken machen. Bei einem Abschluss als Ingenieur, Mediziner oder Jurist winken später 70 000 bis 80 000 Euro Jahresgehalt, falls die heutige Bezahlung dann noch Maßstab ist. Informatiker, Naturwissenschaftler wie Chemiker und Wirtschaftswissenschaftler können mit etwas unter 70 000 Euro rechnen. Dann folgt ein Sprung: Architekten, Psychologen und Sozialwissenschaftler verdienen mindestens 10 000 Euro weniger im Jahr. Abschlüsse in Geschichts- und Kulturwissenschaften, Design und Erziehungswissenschaften versprechen Gehälter deutlich unter 50 000 Euro.

Ein Studium an sich zahlt sich aber grundsätzlich meist aus. Fachkräfte mit akademischem Hintergrund verdienen im Schnitt 17 000 Euro mehr im Jahr als Kollegen ohne einen solchen Abschluss. Ein Master bringt laut Gehaltsreport fünf Prozent mehr als ein Bachelor.

Wie viel jemand am Monatsende auf dem Konto hat, hängt auch davon ab, wo er lebt. Fach- und Führungskräfte in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg können mit mehr als 60 000 Euro rechnen. Wer in Nordrhein-Westfalen lebt, kann da fast mithalten. In Ostdeutschland dagegen ist es ein volles Drittel weniger. Die übrigen Bundesländer pendeln zwischen knapp 50 000 und gut 55 000 Euro im Jahr.

Glaubt man einer Auswertung des Jobportals Glassdoor, spielt das Gehalt für die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz allerdings eine geringere Rolle als angenommen. Die Untersuchung basiert auf Daten von mehr als 600 000 Nutzern, die ihr Unternehmen bewertet haben. Am wichtigsten für die Zufriedenheit sind demnach die Unternehmenskultur, das Verhalten der Vorgesetzten und Karriereaussichten.

Das Gehalt und weitere Leistungen folgen für die Mitarbeiter demnach erst an sechster Stelle - jedenfalls wenn sie wirklich denken, was sie bei ihren Aussagen vielleicht auch deshalb angeben, weil es sich modern anhört.

© SZ vom 07.02.2017/lho
Zur SZ-Startseite