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Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen:Der Fokus auf den Lohn verschleiere das eigentliche Problem

Während Bauer den Lohnunterschied vor allem durch diese Faktoren begründet sieht, kennt "Equal Pay Day"-Aktivistin Platen auch Beispiele aus dem öffentlichen Dienst, wo Männern ein Gehaltsplus durch gewisse Tricks zugeschustert werde: "Dann bekommt ein Polizist eben eine Zusatzaufgabe - zumindest auf dem Papier, die eine Gehaltserhöhung rechtfertigt, welche die Frau nicht bekommt."

Platen ist die Angreifbarkeit der Statistik bewusst, auf die sich der "Equal Pay Day" stützt. "Die unbereinigte Lohndifferenz ist trotzdem nicht unsinnig: Sie führt dazu, dass man über die Ursachen für die Unterschiede spricht", sagt sie. Ein Grund für die Lohndifferenz sei zum Beispiel, dass mehr Frauen in Minijobs beschäftigt sind als Männer, und der Stundenlohn für Teilzeitstellen geringer ist als bei Vollzeitjobs. "Wenn ein Mann an der Supermarktkasse Vollzeit arbeitet und eine Frau an der gleichen Kasse als Minijobberin sitzt, verstehe ich nicht, warum der Mann pro Stunde mehr verdient als die Frau", so Platen.

Bauer treibt seine Kritik aber noch weiter: "Lohndiskriminierung lässt sich statistisch nicht nachweisen, weil dafür die Daten fehlen." Er hält auch die bereinigte Lohndifferenz des Statistischen Bundesamtes für falsch. Um Lohndiskriminierung tatsächlich messen zu können, müssten zwei Personen auf derselben Uni studiert, den gleichen Abschluss erworben, die gleichen Auslandserfahrungen gesammelt haben und schließlich im selben Unternehmen auf einer vergleichbaren Position mit gleichen Aufgaben arbeiten. "Wenn dann die Frau weniger verdient als der Mann, liegt tatsächlich Lohndiskriminierung vor", so Bauer. Je mehr Eigenschaften man einbeziehe, desto geringer werde allerdings der statistische Lohnunterschied in Deutschland.

Zahlenspielen sagen über die Benachteiligung wenig aus

Der Fokus auf den Lohn verschleiert laut Bauer sogar das eigentliche Problem. "Die Statistik zur Lohnlücke erfasst beispielsweise Personen, die trotz Ausbildung oder Studium zu Hause bleiben und Kinder erziehen, überhaupt nicht. Würde man dieses Potenzial ebenfalls einbeziehen, wäre die Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen wahrscheinlich noch größer als 22 Prozent", vermutet er.

Zur Einkommensdifferenz finden sich viele unterschiedliche Zahlen: Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) gibt die bereinigte Lohnlücke mit zwei Prozent an. Dem gegenüber steht eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die eine Differenz von 49 Prozent beim durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen feststellt.

Der Unterschied ist auf die Datengrundlage zurückzuführen: Während sich das IW auf das sogenannte Sozioökonomische Panel bezieht und sehr viele Eigenschaften der Vergleichspersonen kennt, nimmt das DIW die Lohn- und Einkommensteuerstatistik aus dem Jahr 2007 als Grundlage und damit die Einkommen von 26,8 Millionen Frauen und 27,5 Millionen Männern. Die Berechnungen des Statistischen Bundesamtes bewegen sich mit sieben Prozent beim bereinigten und 22 Prozent beim unbereinigten Lohndifferenzial zwischen diesen beiden Extremwerten. Ob Frauen beim Gehalt diskriminiert werden oder nicht, hängt also von Zahlenspielen ab, die über die Benachteiligung wenig aussagen.

Das gibt auch Netzwerk-Präsidentin Platen zu. Einig ist sie sich mit Ökonom Bauer, dass die Lohndifferenz vor allem die Folge von Diskriminierung ist. Bauer zufolge setzt diese schon viel früher ein als beim Gehalt: "Frauen oder Migranten bekommen manche Jobs erst gar nicht, oder sie erhalten nicht die gleichen Bildungschancen." Der Satz, ein Mädchen brauche nicht aufs Gymnasium zu gehen, weil es später ohnehin auf die Kinder aufpasst, falle zwar heute nicht mehr so häufig. Aber er sei in vielen Köpfen immer noch wirksam.

© SZ vom 02.09.2014/kjan
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