bedeckt München
vgwortpixel

Gehaltsgefälle zwischen Männern und Frauen:Mehr Arbeit für Frauen, mehr Familie für Männer

Das Problem liegt hier: Die Einkommen von Männern und Frauen entwickeln sich etwa ab einem Alter von 30 Jahren auseinander - also etwa ab dem Alter, in dem Frauen statistisch gesehen ihr erstes Kind bekommen (siehe hierzu einen Gastbeitrag für die SZ). Und obwohl sich vor allem Eltern kleiner Kinder zunehmend eine gleichberechtigte Aufteilung von Erwerbsarbeit und Kümmern um die Familie wünschen, lebt nur eine verschwindend geringe Minderheit dieses Modell, wie Studien in den vergangenen Jahren immer wieder zeigten (zuletzt hier).

Die Gründe: Kinderbetreuung ist oft schwierig zu organisieren, Frauen legen mit der Geburt sowieso eine Arbeitspause ein, Männer verdienen vielleicht jetzt schon mehr und werden zudem schief angesehen, wenn sie in Teilzeit gehen.

Nicht: beide Vollzeit - sondern: beide Teilzeit

Deshalb sieht die Wirklichkeit so aus: Männer arbeiten Vollzeit oder mehr, machen berufliche Erfahrungen, erwerben Kompetenzen und machen Karriere. Frauen kümmern sich um die Kinder, arbeiten meist Teilzeit und fallen beruflich hinter die Männer zurück, mit all den negativen Begleiterscheinungen: Karriereknick, weniger Einkommen, weniger Sozialleistungen.

Beruf und Familie Das Kind hat einen Vater
Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Das Kind hat einen Vater

Kühn verspricht Familienministerin Schwesig in ihrer Antrittsrede eine "moderne Gesellschaftspolitik" - und erzählt dann doch nur Altbekanntes. Dabei ist offensichtlich, worauf die neue Ressortchefin ihren Blick richten sollte, wenn sie in den Familien wirklich etwas ändern will.   Von Barbara Galaktionow

Und obwohl die Nachteile des Modells bekannt sind, wird es steuerlich auch weiterhin durch das Ehegattensplitting begünstigt, von dem eben gerade die Ehepartner am meisten profitieren, deren Gehälter am weitesten auseinanderklaffen.

Will die Politik also tatsächlich etwas gegen den gender pay gap unternehmen, muss sie nicht nur Transparenz in den Unternehmen schaffen, sondern vor allem die gleichberechtigte Teilhabe von Männern und Frauen, von Vätern und Müttern am Erwerbsleben unterstützen. Und das kann gerade bei Eltern kleiner Kinder nicht heißen: beide Vollzeit, sondern: beide Teilzeit.

Das 2014 verabschiedete Elterngeld Plus war ein richtiger Schritt in diese Richtung. Es fördert Teilzeitarbeit von Müttern UND Vätern von Kleinkindern. Auch ein gesetzlich verankertes Rückkehrrecht in Vollzeit ist immer wieder in der Diskussion. Es könnte nicht nur für Mütter wichtig sein, sondern vielleicht auch für Väter, die dann häufiger den Schritt in Teilzeit wagen würden.

Erneut ins Spiel kommt an dieser Stelle aber auch eine andere, von Familienministerin Schwesig favorisierte Idee: Die staatliche geförderte 32-Stunden-Woche für Eltern mit kleinen Kindern. Die könnte eine kleine Revolution auslösen.