Gehalts-Check Was wir verdienen

Ob IT-Berater oder Sekretärin, Verkäufer oder Wirtschaftswissenschaftler: Eine kostenlose Online-Auskunft verrät Deutschlands Gehälter.

Von Von Nicola Holzapfel

Es geht um Geld, aber kostet nichts: Mehr als 19.000 Arbeitnehmer haben in den vergangenen sechs Monaten bei dem Projekt lohnspiegel.de mitgemacht. Sie haben online anonym einen Fragenbogen ausgefüllt und ihre Verdienst- und Vertragssituation angegeben.

Erstmals liegen die Daten nun ausgewertet vor. Wissenschaftler der Hans-Böckler-Stiftung haben die Angaben überprüft und in einen Gehalts-Check einfließen lassen, der ab sofort kostenlos bei sueddeutsche.de zugänglich ist.

Zum Start können die Verdienstmöglichkeiten in 18 Berufen abgefragt werden. Parallel läuft die Umfrage weiter, damit das Angebot ausgebaut werden kann. Noch diesen Sommer soll der Gehalts-Check um noch mehr Berufe erweitert werden. "Anders als kommerzielle Anbieter, zeigen wir nicht nur die Gehälter von Akademikern, sondern bilden auch die Einkommenssituation etwa von Krankenschwestern und Verkäufern ab", sagt Reinhard Bispinck von der Hans-Böckler-Stiftung, der das Projekt lohnspiegel.de leitet.

Laut Gehalts-Check kommt eine Krankenschwester mit weniger als zehn Jahren Berufserfahrung auf ein Bruttogehalt von 2055 Euro monatlich ohne Zulagen. Erfahrene Wirtschaftswissenschaftler mit Leitungsfunktion verdienen bei einem Arbeitgeber mit mehr als 500 Mitarbeitern mehr als 3500 Euro brutto. Bei allen Berufen kann nach Berufserfahrung, Unternehmensgröße und Position sortiert werden.

Wo Frauen mehr verdienen

Soweit für eine Berufsgruppe ausreichend Gehaltsangaben von Männern und Frauen zur Verfügung standen, haben die Wissenschaftler die Verdienstmöglichkeiten nach Geschlecht ausgewertet. In fast allen untersuchten Berufen verdienen Frauen weniger als ihre männlichen Kollegen. Eine Ausnahme scheinen jedoch die IT-Berufe zu sein. Teilweise lagen die Durchschnittsverdienste von Frauen höher. "Wir sind gespannt, ob sich dieser erste Trend auch bei verbreiteter Datenbasis bestätigt", sagt Bispinck.

Auf ein überraschendes Ergebnis kamen die Wissenschaftler auch bei den IT-Beratern. Im Gegensatz zu allen anderen Berufen, verdienen jüngere IT-Berater teils deutlich mehr als ihre älteren Kollegen. "Beschäftigte mit mehr als 20-jähriger Berufserfahrung verfügen offenbar nicht über die gleichen Chancen. Man kann daher vermuten, dass Jüngere teilweise eine bessere Ausbildung haben und höherqualifizierte Tätigkeiten ausüben", sagt Bispinck.

Seine Umfrage zeigt jedoch auch, dass Gehaltserhöhungen keine Selbstverständlichkeit in Deutschland sind. Für mehr als die Hälfte der Befragten hat sich das Bruttogehalt im vergangenen Jahr nicht geändert. Für viele Arbeitnehmer sind auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld Fremdworte. In Firmen mit Tarifbindung erhalten drei von vier Beschäftigten den begehrten Zuschuss, bei frei ausgehandelten Verträgen erhält nur jeder Dritte die Extrazahlung.

An Stellenabbau und Kündigungen ist dagegen fast jeder zweite Beschäftigte gewöhnt. 44 Prozent der Befragten gaben an, dass in ihrem Unternehmen ein Arbeitsplatzabbau angekündigt wurde. In 30 Prozent der Fälle betrafen die Umstrukturierungen auch ihren eigenen Arbeitsplatz.