Gehalt Vom Ende der Sitzprämie

Nicht in allen Jobs bedeutet mehr Berufserfahrung auch mehr Gehalt.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Das Gehalt steigt mit dem Alter - allerdings nur bis zum vierzigsten Lebensjahr und nicht in allen Berufen gleichermaßen.

Von Jutta Pilgram

Wer arbeitet, sammelt Erfahrungen. Das gilt für jeden Beruf. Ein Friseur hat nach vielen Arbeitsjahren mehr Übung im Haareschneiden als zu Beginn, eine Altenpflegerin ist geschickter im Umgang mit Demenzkranken. Doch finanziell schlägt sich die gesammelte Erfahrung nicht überall nieder: Das Gehalt von Friseuren und Altenpflegern verändert sich im Laufe des Lebens nur geringfügig. Ganz anders sieht es in vielen akademischen Berufen aus. Eine Controllerin verzeichnet nach zehn Jahren Berufstätigkeit einen Gehaltszuwachs von durchschnittlich 50 Prozent, Business Developer verdienen fast doppelt so viel.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Hamburger Vergütungsberatung Personalmarkt. Ausgewertet wurden mehr als 27 000 Gehaltsdaten von Arbeitnehmern an zwei Stationen ihrer Laufbahn - beim Berufseinstieg und nach zehn Jahren im Job. Alle Angaben stammen aus diesem und dem vergangenen Jahr und beziehen sich ausschließlich auf Beschäftigte ohne Führungsverantwortung.

Die Auswertung zeigt, dass die Chance auf eine schnelle Gehaltssteigerung in akademischen Berufen höher ist. Doch auch die Branche spielt eine Rolle: So stagnieren die Gehälter in Dienstleistungsberufen eher als in der IT-Branche, in der Pharmaindustrie und im Bankenwesen. Ganz gleich ob bei Beschäftigten mit oder ohne Studienabschluss - in diesen Branchen wird generell mehr bezahlt.

Lange Zeit galt der Grundsatz: Wer seinem Arbeitgeber treu bleibt und viele Jahre dabei ist, bekommt unweigerlich mehr Geld. Von einer "Sitzprämie" ist die Rede, wenn Beschäftigte einfach nur abwarten müssen, um in die nächste Gehaltsstufe gehievt zu werden. So sieht beispielsweise der Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes in allen Entgeltgruppen fünf Gehaltssprünge vor. Nach einem Jahr, nach drei, sechs, zehn und 15 Jahren gibt automatisch mehr Geld. Diese Erhöhungen sind unabhängig von den regelmäßigen Gehaltssteigerungen, die durch Tarifverhandlungen zustande kommen.

Doch auch im öffentlichen Dienst ist das Ende der Fahnenstange irgendwann erreicht: Wer mehr als 15 Jahre denselben Job macht, kann sein Gehalt nur noch steigern, wenn er es schafft, in eine andere Entgeltgruppe eingestuft zu werden - oder wenn er die Stelle wechselt.

Die Kopplung von Alter und Gehalt verschwindet zunehmend aus den Tarifverträgen. Und auch bei der nicht tarifgebundenen Vergütung tritt das Senioritätsprinzip in den Hintergrund. Das zeigt eine andere Untersuchung des Vergleichsportals Gehalt.de, das zur Beratungsfirma Personalmarkt gehört. Dafür wurden die Biografien von nahezu 220 000 Beschäftigten untersucht. Das Ergebnis: Bei einem normalen Angestellten - mit oder ohne Studienabschluss - steigt die Gehaltskurve etwa bis zum 40. Geburtstag leicht an und stagniert danach. Nur bei Führungskräften geht es auch nach dem 40. Geburtstag noch weiter. In diesem Alter steigt dann allerdings auch der Anteil variabler Bezüge.

Bei weiblichen Führungskräften bietet sich ein anderes Bild. Laut Untersuchung können auch sie ihren Verdienst nach dem 40. Geburtstag noch steigern. Doch vom 45. Lebensjahr an geht nichts mehr. Ihre Gehaltskurve stagniert nicht nur, sie fällt nun sogar ab.

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