Süddeutsche Zeitung

Gehältervergleich:In luftiger Höhe ist nur Josef Ackermann

Über Gehälter zu sprechen, schickt sich nicht. Wir tun es trotzdem. Was verdient ein Arzt, die Kanzlerin oder der Deutsche-Bank-Chef? Ein Überblick.

Nirgends spricht man so wenig über Gehälter wie hierzulande. Das gehört sich einfach nicht. Selbst über das Tabuthema Sex reden die Deutschen häufiger als über Geld - so das Ergebnis einer Studie. Wer sich die Einkommen der Deutschen ansieht, der muss feststellen: Die Schere geht weit auseinander. Zwischen drei Euro die Stunde für einen Friseur - und dem siebenstelligen Jahreslohn von Josef Ackermann. Ein Überblick.

3 Euro: Bei drei Euro brutto liegt der niedrigste Stundenlohn im Friseurhandwerk in Sachsen. Ein solcher Billigjob ist keine Ausnahme. Wie das Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen berechnet hat, verdienen in Deutschland 3,3 Millionen Menschen weniger als sechs Euro die Stunde.

28 Prozent: Frauen in Führungsjobs verdienen 28 Prozent weniger als männliche Führungskräfte. Sie kommen laut Statistischem Bundesamt auf durchschnittlich 3410 Euro brutto, die Männer auf 4760 Euro. Im Durchschnitt aller Erwerbstätigen liegen die Frauengehälter um 23 Prozent niedriger.

IT-Experten und ihr Stundenlohn

70 Euro: Freiberuflich arbeitende IT-Experten verlangen zurzeit einen Stundensatz von durchschnittlich 70 Euro. Das zeigt eine Auswertung des Portals Gulp. 15 Prozent der Freiberufler verlangen sogar mehr als 90 Euro. Projektanbieter würden aber zunehmend Experten mit günstigeren Stundensätzen bevorzugen.

359 Euro: Der Regelsatz für einen alleinstehenden Erwachsenen beim Arbeitslosengeld 2 liegt bei 359 Euro monatlich. Dieser Betrag soll die Grundsicherung des Lebensunterhalts gewährleisten. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit deckt er die Bedürfnisse für Ernährung, Kleidung, Körperpflege und Hausrat ab. Zusätzlich werden die Kosten für Unterkunft und Heizung übernommen, soweit sie angemessen sind.

Studenten und Azubis

648 Euro: Studenten können maximal 648 Euro monatlich an Bafög erhalten. Die Höhe richtet sich unter anderem nach den Wohnverhältnissen und den Unterhaltszahlungen der Eltern. Im Herbst soll das Bafög um zwei Prozent steigen. Im Schnitt wird ein Bafög-Empfänger dadurch 13 Euro mehr monatlich erhalten.

679 Euro: In Westdeutschland verdienen Auszubildende im Durchschnitt 679 Euro brutto im Monat, im Osten sind es 595 Euro. Zwischen den Berufen gibt es große Einkommensunterschiede. Am besten verdienen die Binnenschiffer mit bundesweit 949 Euro, am wenigsten die Maler mit 421 Euro im Westen und 388 Euro im Osten.

Rente, Urlaub, Mittelschicht

963 Euro: Rentner erhalten im Durchschnitt monatlich 963 Euro, Frauen nur 526 Euro. Das zeigt der Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung. Laut einer Befragung von TNS Infratest Sozialforschung im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums stammen 65 Prozent der Einkommen von Rentnern aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Insgesamt verfügen alleinstehende Männer im Alter durchschnittlich über 1513 Euro, Frauen über 1198 Euro im Monat.

1282 Euro: Versicherungen zahlen ihren Mitarbeitern ein Urlaubsgeld von 1282 Euro und liegen damit im Branchenvergleich im Mittelfeld. Am wenigsten, 155 Euro, erhalten Beschäftigte in der Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Am meisten die Arbeitnehmer in der Holz- und Kunststoffindustrie in Westfalen-Lippe: 2023 Euro.

1844 Euro: Um zur Mittelschicht zu zählen, muss ein Single zwischen 861 und 1844 Euro netto verdienen. Eine Familie mit zwei Kindern muss zwischen 1979 und 4242 Euro netto zur Verfügung haben. Das zeigen Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Demnach gehören 60 Prozent der Deutschen zur Mittelschicht, vor zehn Jahren waren es noch 66 Prozent. Die Zahl der Menschen mit niedrigem Einkommen ist im selben Zeitraum von 18 auf 22 Prozent gestiegen.

Beamten, BWLer, Bundestag

3416 Euro: Ein Hochschulabsolvent, der die Beamtenlaufbahn einschlägt, startet in der Besoldungsgruppe A 13 mit einem Grundgehalt von 3416 Euro. Wer sich für den diplomatischen Dienst entscheidet und in jungen Jahren nach Brüssel versetzt wird, erhält obendrauf einen steuerfreien Auslandszuschlag von 1751,30 Euro. Ist der Einsatzort Nowosibirsk klettert der Auslandszuschlag auf 3270,89 Euro, der Diplomat erhält also insgesamt 6686,89 Euro.

4200 Euro: Absolventen eines Studiums der Betriebswirtschaft erreichen ein monatliches Einkommen von 4200 Euro brutto, mit 20 Jahren Berufserfahrung 5283 Euro. Das zeigt die Online-Gehaltsumfrage lohnspiegel.de. Auch die Größe des Arbeitgebers wirkt sich deutlich aufs Gehalt aus. In Firmen mit weniger als 100 Mitarbeitern liegt das Durchschnittsgehalt bei 3821 Euro, in Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten bei 4475 Euro.

7668 Euro: Abgeordnete des Deutschen Bundestags erhalten eine monatliche Entschädigung von 7668 Euro. Die Höhe orientiert sich an der Besoldung eines Richters an einem obersten Bundesgerichtshof. Außerdem bekommen sie eine monatliche Kostenpauschale in Höhe von 3868 Euro, die Reisekosten und sonstige Ausgaben abdeckt, sowie Vergütungen für ihre Büros und Mitarbeiter.

Arme Schauspieler

10.953 Euro: Wer als Alleinstehender weniger als 10.953 Euro im Jahr verdient, gilt als armutsgefährdet. Das betrifft 12,5 Millionen Menschen. Der Betrag entspricht 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens in Deutschland.

12.318 Euro: Freiberufliche Schauspieler verdienen im Jahr durchschnittlich 12.318 Euro brutto. Unter Künstlern verdienen nur Musiker weniger: 11.521 Euro. Das zeigen Auswertungen der Künstlersozialkasse. Etwas besser sieht es für Schriftsteller und Autoren aus, sie kommen auf 16.458 Euro jährlich.

Das verdient die Bundeskanzlerin

15.832,79 Euro: Das Amtsgehalt der Bundeskanzlerin ist im Bundesministergesetz festgelegt und liegt derzeit bei 15.832,79 Euro monatlich. Es orientiert sich am Beamtenbesoldungssystem und liegt zwei Drittel über dem Grundgehalt der Besoldungsgruppe 11. Da die Mitglieder der Bundesregierung mehrmals auf Erhöhungen ihrer Bezüge verzichtet haben, ist es niedriger als im Gesetz vorgesehen. Netto bleiben 9072,43 Euro übrig.

25.632 Euro: Konditoren erreichen ein Jahresgehalt von durchschnittlich 25.632 Euro brutto. Das Statistische Bundesamt befragt alle vier Jahre Betriebe mit mindestens zehn Mitarbeitern im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich und erfasst damit mehr als drei Millionen Arbeitnehmer. Deutlich besser verdienen zum Beispiel Chemiker: 75.533 Euro brutto im Jahr.

Gutverdiener: Ingenieure

36.900 Euro: Wer in Deutschland Privatinsolvenz anmeldet, ist mit durchschnittlich 36.900 Euro verschuldet. Das zeigt der Schuldenatlas des Unternehmens Creditreform. Im ersten Halbjahr 2010 sind die Privatinsolvenzen gegenüber dem Vorjahr um 13,3 Prozent gestiegen. Bereits 54.780 Privatpersonen haben Insolvenz angemeldet.

73.114 Euro: Ingenieure verdienen gut, wie die Gehaltsumfragen des Vereins Deutscher Ingenieure regelmäßig beweisen. Ein Projektmanager in der Chemie- und Pharmaindustrie kommt demnach auf durchschnittlich 73.114 Euro. Im Maschinen- und Anlagenbau gibt es für die gleiche Position 60.000 Euro.

Ärzte und Aufsichtsratvorsitzende

173.385 Euro:Ein niedergelassener Arzt erreicht im Jahr Honorare von im Durchschnitt 173.385 Euro. Nach Abzug der Betriebsausgaben, Steuern und Sozialabgaben bleiben davon 2328 Euro netto im Monat übrig wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung berechnet hat. Die höchsten Honorareinnahmen haben die Radiologen mit 402.200 Euro. Am wenigsten nehmen die Nervenärzte und Psychotherapeuten mit 134.600 beziehungsweise 64.300 Euro ein.

464.000 Euro: Der best bezahlte Aufsichtsratvorsitzende war im Jahr 2009 Ulrich Hartmann von EON. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Bezüge der Aufsichtsräte in Dax-Unternehmen um 52 Prozent erhöht wie eine Auswertung des Vergütungsberaters Heinz Evers für das Handelsblatt zeigt.

Ackermann an der Spitze

570.000 Euro: Geschäftsführer in Firmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern verdienen durchschnittlich 570.000 Euro jährlich. Das hat die Unternehmensberatung Kienbaum herausgefunden. Im westeuropäischen Vergleich liegt Deutschland damit auf Platz zwei. Mehr gibt es in Großbritannien mit 733.000 Euro. Der wichtigste Faktor für die Vergütung ist demnach die Unternehmensgröße.

9 800.000 Euro: Der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ist der Top-Verdiener unter den Vorstandschefs der Dax-Unternehmen. Im Jahr 2009 hat er 9,8 Millionen Euro verdient. Ihm folgen Jürgen Großmann von RWE mit 9,2 Millionen und Wolfgang Reitzle mit 8,3 Millionen. Nach einer Studie der Beratungsgesellschaft Towers Watson ist die Grundvergütung der Konzernchefs, die 27 Prozent des gesamten Verdienstes ausmacht, gegenüber dem Vorjahr im Schnitt um vier Prozent gestiegen.

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Quelle:
SZ vom 15.07.2010/holz
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