Süddeutsche Zeitung

Gehältervergleich:Der Diskriminierungsdetektor

Jedem das Geld, das er verdient: Ein neu entwickelter Test soll die verdeckte Gehaltsdiskriminierung von Frauen in Unternehmen aufdecken.

Gehaltsunterschieden auf der Spur: Forscherinnen der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung haben ein Testverfahren entwickelt, mit dem Ursachen und Ausmaß unterschiedlicher Bezahlung von Männern und Frauen in Unternehmen aufgedeckt werden soll.

Durchleuchtete Unternehmen

Die Frage, ob Löhne diskriminierungsfrei gezahlt würden, hänge von einer Vielzahl von Faktoren ab, die auf den ersten Blick oft nicht erkennbar seien, erklärte die Stiftung. Mit dem nun in einer Testversion im Internet veröffentlichten Entgeltgleichheits-Check könnten Arbeitnehmer, Firmen oder Betriebsräte Vergütungsmodelle in allen Bestandteilen durchleuchten. Das Programm untersucht auf der Basis der geltenden Rechtslage Einzelkomponenten wie Grundgehalt, Leistungsvergütungen und Zuschläge.

Laut Hans-Böckler-Stiftung sorgen in zahlreichen Betrieben versteckte und nur schwer identifizierbare Mechanismen dafür, dass Frauen bis heute für gleiche oder gleichwertige Arbeit nicht das gleiche Gehalt wie Männer bekommen. Der von der EU ermittelte Lohnabstand zwischen den Geschlechtern betrage in Deutschland rund 23 Prozent - das sei der fünftschlechteste Wert unter den 27 EU-Staaten. Statistisch lasse sich das Einkommensgefälle aber nur zu einem Drittel dadurch erklären, dass Frauen wegen ihrer Familie auf Job und Karriere verzichteten oder sich auf Berufe mit niedrigerer Bezahlung konzentrierten. Der Rest der Differenz entstehe vermutlich durch diskriminierende Vergütungsstrukturen.

Ermitteln um zu korrigieren

Neue Prüfverfahren wie der von zwei Gleichstellungsexpertinnen entwickelte Entgeltgleichheits-Check seien wichtig, um die Ursachen für die ungleiche Bezahlung zu ermitteln und zu korrigieren, erklärte Heide Pfarr, Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung. Ein durchgreifender Fortschritt sei aber nur erwarten, wenn diskriminierende Bezahlung durch einen verbesserten rechtlichen Rahmen verhindert werde. So brauche Deutschland ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft.

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