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Führungkräfte:Viele Manager würden gerne weniger arbeiten

Dabei wollen viele Führungskräfte, gleich welchen Geschlechts, ihre Arbeitszeit reduzieren - gerade in Zeiten komplizierter Familienkonstellationen und wachsender beruflicher Belastung ist das Thema in aller Munde. Eine Umfrage des Verbands "Die Führungskräfte" kam zu dem Ergebnis, dass 40 Prozent der Manager gerne weniger arbeiten würden.

Dass es in der Praxis funktionieren kann, beweist Stephanie Beck. Die 38-Jährige ist seit acht Jahren Teilzeit-Führungskraft bei der Techniker-Krankenkasse in Stuttgart. Seit einem Jahr leitet sie das Team Versichertenbetreuung im Fachzentrum Krankenhaus. Ihre 20 Mitarbeiter beraten Versicherte, etwa bei der Frage, was sie bei der Planung eines Krankenhausaufenthalts und beim Ausfüllen von Anträgen beachten müssen.

Beck hat eine 80-Prozent-Stelle, arbeitet von Montag bis Donnerstag im Büro. Angefangen hat die Sozialversicherungsfachangestellte im Außendienst der Krankenkasse. Ihre Kinder sind fünf und acht Jahre alt, sie gehen in den Kindergarten und in die Grundschule. "Wir haben keine familiäre Unterstützung hier in Stuttgart, und mein Mann arbeitet Vollzeit", sagt Beck. "Deswegen sind die Kinder bis 16 Uhr in ihren Einrichtungen."

Elf weitere Führungskräfte arbeiten bei Deutschlands größter Krankenkasse in Teilzeit. Die Krankenkasse hat 14 000 Angestellte, von denen etwa 23 Prozent einen Teilzeitvertrag haben. Auf die Frage, ob ihr Modell auch eine Ebene höher funktionieren würde, antwortet Beck: "Aktuell gibt es das bisher noch nicht. Grundsätzlich möglich wäre es aber." Das hätte dann aber eine andere Dimension, ihr Chef führt beispielsweise 200 Mitarbeiter.

Teilzeit lässt sich jedoch auch auf höheren Managementebenen umsetzen. Das zeigen Christiane Haasis und Angela Nelissen bereits seit acht Jahren. Beim Mischkonzern Unilever in Hamburg teilen sich die Managerinnen eine Stelle. Beide arbeiten 60 Prozent und leiten gemeinsam das Geschäft mit Eiscreme und Tee in den deutschsprachigen Ländern des Konsumgüterherstellers.

"Die Herausforderung war es, die Komplexität der Aufgaben in dieser Konstellation zu reduzieren", sagt die 50-jährige Nelissen. Um das zu schaffen, firmieren die beiden schon seit acht Jahren intern unter dem Kürzel "Chan", zusammengesetzt aus den Initialen ihrer Vornamen. Folgerichtig hat Chan auch eine Mailadresse. "Für das Unternehmen ist das praktisch, da kein Kollege überlegen muss, wer von uns beiden jetzt der richtige Ansprechpartner ist", sagt Haasis, ebenfalls 50 Jahre alt. "Für uns ist das praktisch, da wir ganz flexibel Themen oder Termine annehmen können - wir beide haben ja immer Zugang zur Chan-Mailbox."

Nelissen, die drei Töchter im Alter von 12 bis 17 Jahren hat, ist in der Regel montags bis mittwochs im Büro. Haasis, Mutter einer zehnjährigen Tochter, ist dienstags bis freitags im Büro, jeweils bis in den frühen Nachmittag. Als die Kinder noch kleiner waren, sind die Ehemänner teilweise eingesprungen, Familie Nelissen hat zeitweise eine Kinderfrau beschäftigt.

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