Führungskräfte Gefährliche Schmeichelattacke

Gefährdet sind nicht nur Führungskräfte, die sich stark von Lob abhängig machen, sondern auch solche, die ihrerseits schlecht im Verteilen von anerkennenden Worten sind. Typische Macher und sachbezogene Experten stehen oft vor dem Problem, dass sie mit der vermeintlich soften Kommunikation nichts anfangen können. Für Dorothee Echter ist Florian Gerster, der ehemalige Chef der Bundesagentur für Arbeit, ein typischer Fall. Auf die Frage, warum er so schnell entlassen worden sei, gab er sich ahnungslos und meinte, es habe "wohl nur Atmosphärisches" eine Rolle gespielt, fachlich sei ihm nichts anzukreiden. "Im Top-Management geht es letztlich immer darum - und nicht nur um Zahlen und Fakten", sagt Echter. "Wer zwar gut arbeitet, aber seine Mitstreiter nicht anerkennt, dem genügt ein kleiner Fehler, um weggelobt zu werden."

Doch richtiges Lob will gelernt sein. Wenig clever ist die Sandwich-Methode: Herbe Kritik wird watteweich zwischen anerkennende Worte gebettet: "Ihr Einsatz gestern war wirklich toll, aber..." Was den Mitarbeiter entlasten soll, verunsichert ihn eher. Zum einen wird das Lob postwendend zunichte gemacht, zum anderen wächst sein Misstrauen, wenn der Chef mal wieder zu einem anerkennenden Wort anhebt. Er rechnet sofort mit einem dicken Ende oder fragt sich, ob das jetzt ernst gemeint war.

Schlecht sind auch standardisierte Floskeln wie das in Besprechungen beliebte "Danke für Ihr Erscheinen". Besonders zwiespältig wirkt es, wenn es anschließend gleich ans Eingemachte geht und die Anwesenden kritisiert werden. Besser sei es, meint Beraterin Echter, Meetings nicht nur einzuberufen, wenn es Probleme gibt, sondern auch, wenn gerade alles glatt läuft. Man dürfe nicht unterschätzen, wie wichtig eine angenehme Atmosphäre sei und wie leicht sie sich mit dieser Methode herstellen ließe. "Gute Stimmungen übertragen sich - und nicht geschriebene Anweisungen." Und dafür müssen nun mal Führungskräfte sorgen.

"Lob- und Dankbarkeitsrituale sind eine gute Einrichtung", sagt Echter. Natürlich nur, wenn es auch Grund dazu gibt. So könne man Lobbing-Attacken hervorragend die Grundlage entziehen. Management-Coach Juchniewicz rät: "Emotionale Intelligenz in Form einer leistungs- und sinnvermittelnden, integeren Mitarbeiterführung zahlt sich für Unternehmen aus." Die vermeintliche Beiläufigkeit der positiven Rückmeldung wird damit zur echten Führungsaufgabe. Dorothee Echters Fazit lautet: "Der richtige Einsatz von Lob ist ein wichtiger Teil des Strategiemanagements. Doch das wird leider immer noch dramatisch unterschätzt."