Der Reparaturbetrieb

Als vor zwölf Jahren der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz eingeführt wurde, waren längst nicht alle überzeugt, dass dies ein Segen für die Kinder wäre. Doch mittlerweile kann es vielen nicht schnell genug gehen. Bei vielen Politikern gibt es den Wunsch, die Kinder möglichst früh in die Kindergärten zu holen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger hat sogar eine "Kindergartenpflicht" verlangt. Oft richtet sich der Blick dabei auf die Kinder aus schwierigen Familien: Erzieherinnen könnten leisten, womit die Eltern überfordert sind. Doch zumindest die heutigen Kindergärten müssen so großen Erwartungen wohl enttäuschen.

Der Pädagogik-Professor Hans-Günther Roßbach kommt nach der Analyse dutzender Studien zum Ergebnis, dass der Einfluss des Elternhauses stets am größten ist: "Für Entwicklungsunterschiede zwischen Kindern ist das, was in den Familien geschieht, etwa zwei bis drei Mal bedeutender, als das, was im Kindergarten geschieht." Das heißt nicht, dass der Kindergarten wirkungslos wäre. Doch er ist kein universeller Reparaturbetrieb für geschädigte Kinder. Sozialingenieure, die hoffen, der Ausbau der Krippen löse die Probleme der Unterschicht, hegen zu große Hoffnungen.

Auf der nächsten Seite: Das amerikanische Wundermittel

Bild: dpa

19. Oktober 2008, 12:522008-10-19 12:52:00 ©