Frühaufsteher an Berliner Schule:Penne statt Pennen

Lesezeit: 2 min

Am Berliner John-Lennon-Gymnasium stimmen Schüler über einen späteren Unterrichtsbeginn ab. Schlafforscher sind von der Idee begeistert - doch die Kinder sind erstaunlicherweise dagegen.

M. Kotynek

Simon Baucks ist kein Frühaufsteher. Trotzdem muss der Schüler jeden Morgen aus dem Bett, wenn es draußen noch dunkel ist, um dann in der ersten Unterrichtsstunde mit der Müdigkeit zu kämpfen. Und weil Baucks, der auch Schülersprecher des Berliner John-Lennon-Gymnasiums ist, sich damit nicht mehr länger abfinden wollte, ging er zum Schulleiter Jochen Pfeiffer. Der Direktor entschied, die Schüler abstimmen zu lassen, ob sie im Winter künftig statt um acht Uhr erst um neun Uhr zur Schule gehen wollen - eine Premiere in Deutschland.

Frühaufsteher an Berliner Schule: All you need is sleep: Ein späterer Schulbeginn würde besser zum Biorhythmus von Jugendlichen passen.

All you need is sleep: Ein späterer Schulbeginn würde besser zum Biorhythmus von Jugendlichen passen.

(Foto: Foto: iStock)

Am Mittwochmorgen ging Hausmeister Peter Pawlitz von Klasse zu Klasse, um die Meinungen der Schüler der Unterstufe abzufragen. Am Vortag hatten sich die Schüler der Oberstufe bereits mit einer knappen Mehrheit für den späteren Unterrichtsbeginn ausgesprochen. Die Chancen standen also gut, dass Simon Baucks und seine Schulkollegen künftig eine Stunde länger schlafen konnten.

Entscheidung liegt bei der Schulkonferenz

Doch nun, da Baucks im Büro des Direktors steht und von dem Ergebnis erfährt, kann er seine Enttäuschung nicht verbergen. Nur 39 Prozent der anwesenden Unterstufenschüler haben sich für den Schulbeginn um neun Uhr ausgesprochen. Als Grund für ihre Ablehnung gaben viele Schüler an, dass sie am Nachmittag später heimkommen würden, wenn der Unterrichtsbeginn nach hinten verschoben werden würde. Die Entscheidung liegt nun bei der Schulkonferenz - Lehrer, Schüler und Eltern wollten am Mittwochabend über die Sache diskutieren.

Die Abstimmung war möglich, weil das Berliner Schulgesetz den Schulen bei der Festlegung des Unterrichtsbeginns alle Freiheiten lässt. Im Senat sieht man den Vorstoß des Schülervertreters deshalb auch "mit großer Sympathie", wie ein Sprecher sagt.

Auch Wissenschaftler befürworten die Abstimmung. "Schüler arbeiten in einer ständigen Frühschicht", sagt Till Roenneberg, der an der Universität München Biorhythmen erforscht. "Mit der hormonellen Veränderung in der Pubertät verschiebt sich die innere Uhr. Die Schüler können nicht mehr so früh einschlafen, müssen aber trotzdem früh aufstehen - die Leistungsfähigkeit sinkt."

8.30 Uhr empfehlenswert

Der Biologe empfiehlt, über einen zeitlich gestaffelten Unterrichtsbeginn nachzudenken. "Für die Schüler der Oberstufe wäre es eine Erleichterung, wenn ihr Unterricht erst um neun Uhr beginnen würde. Für Schüler der Unterstufe wäre 8.30 Uhr empfehlenswert", sagt Roenneberg.

Im Berliner Stadtteil Charlottenburg hat man mit einem späteren Unterrichtsbeginn bereits gute Erfahrungen gesammelt. Vor drei Jahren verlegte Schulleiter Wolfgang Foest den Unterrichtsbeginn in der Loschmidt-Oberschule auf neun Uhr. Gefragt wurden die Schüler damals nicht. Zum Unterricht erscheinen sie seither dennoch häufiger pünktlich.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema