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Freiwilligendienst ist ausgebucht:Kein Platz für Bufdis

Der Bundesfreiwilligendienst scheint zur Erfolgsgeschichte zu werden: Wohlfahrtsverbände und Kommunen rechnen in diesem Jahr mit 60.000 Interessenten - haben aber nur 35.000 Stellen zu vergeben.

Silke Bigalke

Es werden sich 2012 fast doppelt so viele Menschen für den Bundesfreiwilligendienst (BFD) bewerben, wie es Plätze gibt. Die Träger der BFD-Stellen, vor allem Wohlfahrtsverbände und Kommunen, rechnen mit 60.000 Interessenten. Das ergab eine Umfrage des Bundesfamilienministeriums. Vergeben werden aber nur 35.000 Stellen. An diesem Mittwoch berät das Ministerium mit den Verbänden darüber, wie die Plätze von Sommer 2012 an verteilt werden.

Bundesfreiwilligendienst ist ausgebucht

Zivildienstleistende gibt es nicht mehr - aber deutlich mehr Bewerber für den Bundesfreiwilligendienst als je gedacht.

(Foto: dpa)

Einige große Organisationen wie das Deutsches Rotes Kreuz (DRK) und die Caritas haben ihre aktuellen Kontingente fast voll besetzt. Die evangelischen Träger, denen 3900 Stellen bewilligt wurden, können bereits keine Bewerber mehr annehmen. "Bisher haben Begrenzungen keine Rolle gespielt", sagt Jens Kreuter, Leiter des Arbeitsstabs Freiwilligendienste im Bundesfamilienministerium. Jeder Antrag auf mehr Plätze sei bewilligt worden, niemand außerhalb des Ministeriums habe daran geglaubt, dass alle 35.000 Stellen besetzt werden.

Ein Überraschungserfolg

"Jetzt hat das Verfahren eine ganz andere Bedeutung, weil es nun eine tatsächliche Beschränkung sein könnte." Eine Aufstockung wird es wohl nicht geben. Umfang und Anzahl der Stellen seien vom Gesetz vorgegeben, sagte ein Sprecher des Ministeriums, das den BFD mit 250 Millionen Euro fördert. Mit 35.000 Freiwilligen, die meist ein Jahr im Einsatz sind, habe man den Zivildienst, für den zuletzt 90.000 junge Männer je ein halbes Jahr arbeiteten, fast aufgewogen.

Aktuell zählt der BFD-Beauftragte Kreuter 29.000 gültige Verträge. Dazu kommen ein paar tausend Freiwillige, die bereits bei einem Träger arbeiten, aber noch keinen Vertrag haben. Für Januar beispielsweise lagen am Jahresende 1100 Verträge vor, tatsächlich haben aber 3000 Freiwillige angefangen. Kreuter warnt die Verbände davor, Freiwilligen ohne sicheren Vertrag zuzusagen: "Sie müssen aufpassen, dass nicht einer schon zwei Wochen arbeitet und dann doch keinen Platz bekommt."

"Das Engagement nicht bremsen"

Das Deutsche Rote Kreuz rechnet damit, dass es von Februar an Absagen verteilen muss, weil seine 2500 Plätze vergeben sind. "Wir könnten gut 4000 Stellen besetzen", sagt DRK-Generalsekretär Clemens Graf von Waldburg-Zeil und fordert die Bundesregierung auf, für 2013 ein höheres Budget einzuplanen. "Es wäre schade, das Engagement, dass man losgetreten hat, jetzt abzubremsen."

Waldburg-Zeil denkt mit Sorge an den Herbst, wenn das DRK die Bewerber aus den doppelten Abiturjahrgängen abwimmeln muss, weil weder BFD-Stellen noch Plätze für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) frei sind. Beim FSJ müssen laut DRK bundesweit sogar 6000 Plätze abgebaut werden. Auch hier werden 35.000 Stellen gefördert, aber 41.000 wurden besetzt. Es habe schon immer mehr Bewerber als FSJ-Plätze gegeben, bestätigt auch eine Caritas-Sprecherin das große Engagement.

© SZ vom 25.01.2012/wolf
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