Freitod: Opfer der KriseUnbezahlbar

Es war ein ganz normaler Sonntag, aber das viele Geld war plötzlich weg. Sieben Nachrufe auf Menschen, die in der Finanzkrise alles verloren - und deshalb ihr Leben gaben.

I. Barry Fox

Barry Fox, so schien es, kam zur Ruhe, als er 1999 bei Bear Stearns anheuerte. Er hatte stets mit körperlichen und mentalen Problemen zu kämpfen gehabt, aber bei der Investmentbank fühlte er sich wohl. Er entwickelte eine Routine, die ihm Halt gab: Um 8.45 Uhr betrat er sein Büro in der New Yorker Zentrale, dann ließ er sich nicht mehr ablenken. Das Wall Street Journal hat seinen Tagesablauf minutiös nachgezeichnet, denn Barry Fox war einer der Ersten, die sich wegen der Finanzkrise töteten.

Das Mittagessen erledigte er in 15 Minuten, meist lief er nur schnell in die Cafeteria und nahm das Essen mit zurück an den Schreibtisch. Wenn ihn jemand in privaten Angelegenheiten anrief, wurde er ungehalten. "Ich kann jetzt nicht", sagte er, "ich arbeite." Egal wer anrief, sein Vater, sein Lebensgefährte.

Nur in den seltenen Momenten, in denen das Geschäft etwas langsamer ging, schaltete er das Radio ein, immer wählte er einen Sender mit klassischer Musik. Das lag daran, dass Fox selbst ein passabler Pianist war, zudem malte er. Kaum jemand wusste, dass er an Schizophrenie litt, denn er hatte die Krankheit mit Medikamenten gut im Griff. Wegen eines anderen Leidens, unkontrollierten Muskelzuckungen im Gesicht, nahm er Botox, das half bestens.

Im Jahr 2002 stieg Fox zum Managing Director auf, sein Gehalt betrug nun rund 250.000 Dollar im Jahr. Als Bear Stearns im Jahr 2007 allmählich ernsthafte Probleme bekam, wurde er unruhig. Schließlich war klar, dass die Bank J.P. Morgan Chase & Co. Bear Stearns übernehmen würde. Aber welche Mitarbeiter? Am 22.Mai 2008 erfuhr Fox durch einen Anruf, dass er nicht dabei sein würde. Um fünf Uhr abends, eine Stunde früher als üblich, fuhr er nach Hause. Dort angekommen, nahm er eine hohe Dosis Valium, zudem noch andere Mittel. Seinem Lebensgefährten untersagte er, einen Arzt zu rufen. Um 22.30 Uhr gingen sie ins Bett. Vier Stunden später stellte der Lebensgefährte fest, dass Fox nicht mehr neben ihm lag. Die Balkontür stand offen.

Barry Fox, 51, war vom Balkon gesprungen, die Wohnung lag im 26. Stock.

Die Investmentbank Bear Stearns in New York. Bild: afp

7. Juni 2009, 09:372009-06-07 09:37:00 ©