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Erfolgsfrauen: Katherine de Fontaine:Restaurant statt Küche

Nicht nur die Mutter hatte Zweifel, ob es Katherine de Fontaine in dem harten Business schafft. Auch die Herren der Schöpfung hatten während ihrer Karriere den einen oder anderen despektierlichen Spruch parat - und doch waren es nach ihren Worten Männer, die sie im Job voranbrachten.

Katherine de Fontaine

Katherine de Fontaine ist zuständig für die interne Weiterbildung der Hotelmitarbeiter bei der Kempinski-Gruppe und eine der wenigen Frauen, die es in eine Spitzenposition in der Hotellerie geschafft hat.

(Foto: Verena Wolff)

Süddeutsche.de: Was ist der dümmste Spruch, den Sie jemals von einem Mann zu hören bekommen haben?

de Fontaine: Für den Spruch war ein früherer Chef zuständig, der später zu einem großen Förderer wurde. Als ich mich für eine Stelle im Hotel-Restaurant bewarb, sagte er mir "Frauen sollten nicht in der Gastronomie arbeiten, sie gehören an die Rezeption".

Süddeutsche.de: Mussten Sie sich schon mal Kommentare zu Ihrer Kleidung gefallen lassen?

de Fontaine: Ja, immer wieder. Tiefe Ausschnitte, kurze Röcke, hohe Absätze: Das sind bei Frauen alles Angriffspunkte. Trotzdem sollte man mit der Kleidung seine Persönlichkeit ausdrücken dürfen - denn Kleidung beeinflusst unser eigenes Auftreten und Verhalten. Und sie trägt sehr stark zum ersten Eindruck bei - der ist gerade in unserer Branche sehr wichtig.

Süddeutsche.de: Müssen sich Frauen auf dem Weg nach oben dem Verhalten von Männern anpassen?

de Fontaine: Frauen sollten Frauen bleiben. Frauen, die männliches Verhalten zu imitieren versuchen, sind oft nicht authentisch. Und: Sich ständig zu verstellen, ist auf die Dauer sehr stressig.

Süddeutsche.de: Stehen sich Frauen auf der Karriereleiter manchmal selbst im Weg?

de Fontaine: Frauen sollten sich und ihre Leistungen manchmal mehr in den Vordergrund stellen. Wir sprechen gern von einer Teamleistung und machen uns dabei kleiner als nötig. Männer preisen eher ihren Erfolg an - auch wenn es in Wahrheit die Leistung der Mitarbeiter war. Ironischerweise werden Frauen, die sehr selbstbewusst auftreten und über ihre Leistungen sprechen, häufig als aggressiv beschrieben.

Süddeutsche.de: Arbeiten Sie lieber mit Frauen oder mit Männern zusammen?

de Fontaine: Ich arbeite am liebsten in gemischten Teams. Auch privat mag ich es nicht, wenn die Geschlechter Cliquen bilden und etwa am einen Ende des Tisches die Frauen sitzen, die sich über Mode unterhalten - und am anderen Ende sprechen die Männer über Autos.

Süddeutsche.de: Was regt Sie bei Kolleginnen auf?

de Fontaine: In erster Linie regen mich Zickigkeit und Neid unter Kolleginnen auf. Schwierig finde ich auch Mitarbeiterinnen, die den Leuten nach dem Mund reden - das ist aber ganz unabhängig vom Geschlecht.

Süddeutsche.de: Wie oft wurden Sie schon für die Sekretärin eines männlichen Kollegen gehalten?

de Fontaine: Während meiner Arbeit in der Gastronomie wurde ich oft nach dem Manager gefragt - obwohl ich das war. Dann habe ich meinen Assistenten gerufen oder einen anderen männlichen Kollegen, der Klarheit in die Sache brachte. Ich wurde auch schon für die Ehefrau meines Chefs gehalten - und zwar von einer Frau.