Frauen in Führungspositionen Ein Schritt vor, zwei zurück

Die Zahl der Frauen auf Spitzenposten stagniert, belegt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Trotzdem scheint der Durchbruch der weiblichen Führungskräfte nah.

Von Dominik Stawski

Es klingt widersprüchlich, was Forscherin Elke Holst über die Situation sagt. "Der Frauenanteil unter den Führungskräften in der Wirtschaft stagniert." Und: "Wir stehen vor einem Durchbruch. Es ist viel, viel in Gang gekommen."

Die Zahl der Frauen in Führungspositionen stagniert derzeit bei 27 Prozent.

(Foto: dpa)

Zuerst die Zahlen. Sie sind eindeutig. Nach dem am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Führungskräfte-Monitor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) liegt der Anteil von Frauen unter den Führungskräften seit drei Jahren unverändert bei 27 Prozent, obwohl etwa die Hälfte der Mitarbeiter Frauen sind. Vorstandssitze in den 200 größten deutschen Unternehmen werden gar zu mehr als 97 Prozent von Männern eingenommen. In den Aufsichtsräten sieht es nicht viel besser aus. Dazu kommt: Frauen in Führungspositionen verdienen 28 Prozent weniger als Männer. Im Vergleich zu den Vorjahren ist der Unterschied sogar größer geworden. "Die Frauen haben zwar bei der Qualifikation aufgeholt, treten aber auf der Stelle", sagt Holst. "Sie bleiben meist auf der unteren und bestenfalls mittleren Management-Ebene hängen."

Und trotzdem spricht die Autorin der Studie von "Durchbruch" und "wichtigen Signalen". Elke Holst ist nicht bekannt dafür, eine Schönfärberin zu sein. "Es ist mehr Hoffnung als Fakt", sagt sie. Aber die Hoffnung, dass es besser wird, sei begründet. Einige der Signale, die Holst meint, tragen Namen: Brigitte Ederer, Angelika Dammann und Regine Stachelhaus. Alle drei sind kürzlich in Vorstände aufgerückt - von Siemens, SAP und Eon. Und dann ist da noch die Telekom, die vor wenigen Monaten als erstes Dax-Unternehmen eine Frauenquote einführte; bis Ende 2015 sollen 30 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt sein.

Für viel wichtiger halten viele jedoch, dass der politische Druck auf die Unternehmen wächst. Die Justizminister der Länder forderten jüngst eine Frauenquote, Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) drohte ebenfalls mit einer gesetzlichen Regelung, und am Donnerstag schloss sich auch die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig an. Wenn die Wirtschaft ihrer eigenen Vereinbarung aus dem Jahr 2001, die Chancengleichheit von Frauen und Männern zu fördern, nicht nachkomme, dann müsse eben ein Gesetz her, sagen jetzt viele. Sie verweisen auf Norwegen, wo sie damit gute Erfahrungen machten.

Wegen dieses Drucks schaut DIW-Forscherin Holst optimistisch in die Zukunft. Ohne solche Vorgaben, ob sie nun vom Gesetzgeber oder der Unternehmensleitung stammten, werde sich nicht viel ändern. Zu verbreitet seien die Stereotypen, zu schlecht die Rahmenbedingungen. Auch das zeigt ihre Statistik: Besonders die Familiengründung mindert die Karrierechancen der Frauen. Die in Führungspositionen üblichen langen Wochenarbeitszeiten ließen sich schwer mit Hausarbeit und Kindererziehung vereinbaren, sagt Holst, zumal Frauen auch in Spitzenpositionen deutlich mehr Familienarbeit leisteten als Männer.

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