Frauen in Führungsgremien Vorstand und Aufsichtsrat sind nicht zu vergleichen

Verschwinden muss auch die Präsenzkultur in den Firmen. Davon reden zwar immer alle, überwunden ist die stete Anwesenheit als Karrierebeschleuniger aber noch lange nicht. Weiter als die großen sind teilweise die Familienbetriebe, in denen die Töchter der einstigen Patriarchen die Führung übernommen haben.

Und die Quote? Ach, wenn es so einfach wäre. Leider ist das Nischendasein der Frauen in den innersten Zirkeln der Wirtschaft ein eher komplexes Problem. Im Handstreich lässt sich da gar nichts bewegen. Nicht einmal der Staat schafft es, in Betrieben mit Bundesbeteiligung mehr als 18 Prozent Frauen in den Vorständen unterzubringen, obwohl die Frauenförderung ein politisches Lieblingsthema ist. Offensichtlich liegt es also nicht nur am mangelnden Willen, dem man mit einer Quote auf die Sprünge helfen könnte.

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Was für die Aufsichtsräte richtig war, muss es nicht für die Vorstände sein. Wer in einen Aufsichtsrat will, braucht Selbstbewusstsein und Erfahrung, berufliche und solche im Leben. Dass es dafür nicht genügend geeignete Frauen gebe, war ein Witz, den die Wirtschaft gerne erzählte, bis selbst die CDU-Kanzlerin die Pointe nicht mehr ertragen konnte, und die Quote kam. Und siehe da, es geht. Der Kandidatinnen-Pool ist groß und reicht branchenübergreifend bis in den Mittelstand.

Vorstände aber sind anders. Drin sein bedeutet, einen Mehr-als-Vollzeit-Job zu haben, enorme Verantwortung zu tragen, wahrhaftig an der Spitze zu stehen. Dafür braucht man Konzernfrauen aus den obersten Etagen. Die aber sind rar. Dorthin also, in die Ebenen unterhalb des Vorstands, müssen Frauen es schaffen, auch als Vorbild für jene, die am Anfang stehen.

Männer müssen an den Strukturen rütteln

Den dafür notwendigen Kulturwandel wird niemand servieren wie ein Schnittchen beim fliegenden Buffet. Frauen müssen unbescheidener sein, aufhören, sich ständig zu entschuldigen, im richtigen Moment mutig sein. Und Männer müssen endlich an den von ihnen selbst geschaffenen Strukturen rütteln; auch für sich selbst.

Es ist nicht Bürde, abends zu Hause zu sein, bei der Ballettvorführung vorne zu sitzen und das Baby länger als zwei Monate durch die Stadt zu schieben - es ist Privileg. Die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie hat gesagt: "We should all be feminists." Wir sollten alle Feministen sein. Betonung auf alle.

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