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Frauen in der Finanzbranche:Diskriminierung? Bankerinnen schütteln den Kopf

Darauf angesprochen, ob sie sich als Frauen diskriminiert fühlen, schütteln die meisten Bankerinnen den Kopf. "Ich habe lange gar nicht darüber nachgedacht, dass dies einen Unterschied machen könnte. Das war vielleicht Teil meines persönlichen Erfolgsrezepts", sagt etwa Susanne Klöß. Sie hat es in der Hierarchie der Deutschen Bank schon weit nach oben geschafft, sie berichtet direkt an Privatkundenvorstand Rainer Neske.

In ihrer Sparte - dem Privatkundengeschäft - arbeiten viele Frauen. Häufiger als in anderen Geschäftsbereichen schaffen es Frauen hier knapp unter die Vorstandsebene. Doch den Sprung eins weiter nach oben garantiert ein solcher Aufstieg trotzdem nicht. Denn bei den Großbanken ist es nicht das Privatkundengeschäft, aus dem die oberste Führungsebene rekrutiert wird. Bei der Deutschen Bank etwa kommen die meisten der 18 Topmanager aus dem Investmentbanking. Ein Bereich, in dem bis heute wenige Frauen arbeiten.

"Geht alles so weiter wie bisher, ist der Fortschritt eine Schnecke"

Woran das liegt, darüber lässt sich trefflich spekulieren. Sabrina Tamm macht dafür vor allem die Studienfachwahl der Frauen verantwortlich. Die meisten Studentinnen würden Schwerpunkte im Marketing oder im Personalwesen setzen, im Investmentbanking seien aber eher Finanzwirtschaft und Rechnungswesen gefragt. Und noch etwas kommt hinzu: "Die Führungskultur im Investmentbanking wird häufig mit der einer Armee verglichen. Dass sich Frauen da nicht unbedingt wohl fühlen, darf nicht verwundern", sagt Tamm. Sie kennt die Welt des Investmentbankings aus eigener Erfahrung: Sie hat fünf Jahre lang Übernahmen begleitet.

Darüber, was sich ändern muss, hat DIW-Forscherin Holst eine klare Vorstellung: "Die Bankenvorstände müssen entschlossen neue Wege gehen. Geht alles so weiter wie bisher, ist der Fortschritt eine Schnecke." Holst schlägt vor, dass die Banken neue Beschäftigungsmodelle fördern sollten. Etwa eine Vier-Tage-Woche für Eltern. "Und zwar nicht nur für die Frauen, sondern vor allem auch für die Männer", so Holst. Denn noch immer bestünden Ängste bei den Entscheidern, dass insbesondere jüngeren Frauen wegen der Familie höhere Ausfallzeiten haben. Erst wenn Männer genauso häufig für die Familie einstehen würden, könnten sich die Klischees ändern.

Und noch etwas bemängelt Holst: fehlende Vorbilder. "Es gibt zu wenige Frauen, die öffentlich wahrnehmbar in Führungspositionen von Banken sind", sagt die Forscherin. Und die wenigen, die es geschafft haben, halten sich mit Interviews zurück.

Die Frauen fehlen aber nicht nur als Vorbilder. Möglicherweise fehlen sie auch in der Praxis - das legt zumindest die Anekdote einer Investmentbankerin nahe. Sie wurde vor einigen Jahren nach Südeuropa geschickt als Leiterin eines Teams, das im globalen Vergleich zu den Kollegen schlecht abschnitt. Schnell merkte sie, dass der Fehler im System die schlechten Englischkenntnisse des durchwegs männlichen Teams war. Sie stellte Menschen ein, die der Fremdsprache besser mächtig waren. Ohne es bewusst zu steuern, waren auf einmal mehr als die Hälfte der Mitarbeiter im Team weiblich.

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