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Frauen in der Architektur:Er hat ein großes Büro, sie eines mit großer Frauenquote

Man darf wohl sagen: Er hat fünf Kinder und ist ein berühmter Architekt - sie hat fünf Kinder und ist, genau: eine Architektin. Er hat sich um das Büro gekümmert (und um die Familie), sie hat sich um die Familie gekümmert (und um das Büro).

Und jetzt? Jetzt sind sie getrennt und haben jeweils ihre Büros. Er ein sehr großes. Sie eines mit großer Frauenquote, das eher klein ist. Und nein, keiner der beiden Ingenhovens würde über den anderen Ingenhoven ein böses Wort sagen. Sie sagt vielmehr: "Wir hatten eine klassische Arbeitsteilung, von Anfang an. Und ich habe das auch so gewollt. Als Mutter habe ich andere Prioritäten gesetzt. Für mich war und ist die Erziehung meiner Kinder eben auch eine sehr schöne und wichtige Form der Selbstverwirklichung." Also alles gut? Fast.

Gleichberechtigung heute Sechs Hürden, die es Frauen im Beruf schwer machen
Ratgeber - Die Recherche
Gleichberechtigung im Job

Sechs Hürden, die es Frauen im Beruf schwer machen

Wie Kultur, Erziehung und die Schranken in den Köpfen Frauen behindern - und was dagegen hilft.   Von Sarah Schmidt

Tatsache ist, dass Frauen in planenden Berufen benachteiligt sind. Nach einer Erhebung der Bundesarchitektenkammer vom Januar 2016 beträgt der Anteil von Frauen im Bereich freischaffender Hochbauarchitekten gerade einmal knapp 22 Prozent. Unter gewerblich tätigen Stadtplanern sind es sogar nur neun Prozent. Das ist absurd, denn es gibt mehr Architekturstudentinnen (2013: 55 Prozent) als Architekturstudenten. Und es ist kein Geheimnis, dass Frauen die insgesamt besseren Zensuren erzielen. Von mehr und besser ausgebildeten Architektinnen bleiben also auf dem Weg durch den Berufsalltag nur sehr wenige Frauen übrig, die es in ihrem Beruf an die Spitze oder zu einem eigenen Büro schaffen.

"Viele Frauen sind gute Teamplayer, aber schlechte Egomanen"

Architektinnen verdienen im Schnitt daher 30 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Und was die Berufspolitik angeht: Unter den 16 Präsidenten der Länderarchitektenkammern befinden sich drei Frauen. Die Lehre? An der ETH Zürich - es ist eine der namhaftesten Architektenausbildungsstätten der Welt - sind nur wenige Lehrstühle von Frauen besetzt. Nicht anders sieht es bei den Designerinnen und Designern aus. Im Juni vergangenen Jahres waren unter den 81 "Best of the Best"-Preisträgern des renommierten Red Dot Awards wie viele Frauen? Eine.

Zaha Hadid Zaha Hadid baute Häuser, die fliegen können

Zum Tod von Zaha Hadid

Zaha Hadid baute Häuser, die fliegen können

Sie war die erste Frau, die es in die Riege der Stararchitekten schaffte, stand für Exzentrik und Superlative. Mit 65 Jahren ist Zaha Hadid jetzt überraschend gestorben.   Nachruf von Laura Weißmüller

In einer Studie heißt es: "Viele Frauen sind gute Teamplayer, aber schlechte Egomanen." Die im Frühjahr verstorbene britische Architektin Zaha Hadid, eine von zwei Frauen, die je den Pritzker-Preis, eine Art Nobelpreis der Architektur, errungen haben, meinte einmal im Interview: "Es gibt einfach Berufe, in die Frauen nicht so gut reinkommen. Keine Ahnung, was männliche Architekten mit ihren Kunden machen - golfen, segeln, ein paar Drinks an der Bar? Echt, keine Ahnung." Hadid wirkte, als sie das sagte, etwas gelangweilt. Vermutlich, weil die Vorstellung von den Deals an der Bar unter Männern ein langweiliges Klischee ist. Also eines, das stimmt.