bedeckt München 27°

Frauen in Chefpositionen:"Sei doch nicht immer so emotional"

Aber nicht nur die Frauen, auch die Unternehmen müssen an sich arbeiten. Deshalb fährt das Projekt "Verstärkung" zweigleisig. Während die Frauen in der Führungswerkstatt sitzen, werden auch ihre Unternehmen gecoacht. Jedes bekommt ein Expertenunternehmen an die Seite gestellt, das sich um die Frauenförderung verdient gemacht hat.

Die eigene Tochter hält den Spiegel vor

Viele Verbesserungsvorschläge beziehen sich auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sprich: flexible Arbeitszeiten, Teilzeitmodelle, Kinderbetreuungsangebote. Schwieriger ist es, die Einstellung der Mitarbeiter zu verändern. Oft kommt ein Umdenken erst durch persönliche Erfahrung: "Erst wenn die eigene Tochter oder Frau von Problemen im Beruf erzählt, fangen viele Männer an, über ihre eigene Haltung nachzudenken", sagt Christiane Flüter-Hoffmann vom IW. Nur haben nicht alle Männer eine Frau, Freundin oder Tochter, die ihnen diesbezüglich den Spiegel vorhalten könnte.

Dass viele Frauen Angebote wie das Stuttgarter Projekt nutzen und damit eingestehen, sich weiterentwickeln zu müssen, sieht Flüter-Hoffmann als weibliche Stärke an. "Wenn Männer Probleme im Job haben, sprechen sie nicht darüber, weil sie fürchten, das könnte als Schwäche ausgelegt werden und weil sie alles aus eigener Kraft schaffen wollen."

Sprechen über Schwächen

Diese Erfahrung hat auch Doris Körner gemacht. Die Ingenieurin ist Projektmanagerin bei einem großen Medizintechnikunternehmen. Sie würde sich wünschen, mit ihren männlichen Kollegen und Vorgesetzten offener über Schwächen sprechen zu können. "Ich habe gelernt, es für mich zu behalten, wenn ich sehr viel Stress habe, da eine offene Ansprache von Überlastung oft falsch interpretiert wird."

Verbiegen lässt sich die 41-Jährige von der männlichen Geschäftswelt trotzdem nicht. Den Tipp eines Vorgesetzten, nicht immer so emotional zu reagieren, will sie nur teilweise beherzigen: "Ich sehe die Emotionalität als Teil meiner Stärke, schließlich ziehe ich daraus meine Kreativität und neue Impulse", sagt die Ingenieurin. Neue Impulse bekommt sie auch im Austausch mit anderen Führungsfrauen. Körner ist Mitglied bei den "Business and Professional Women". Immer mehr Frauen nutzen solche Netzwerke. Dort heißt es dann ausnahmsweise mal "women only", Männer müssen draußen bleiben.

Frauen-Karrierekiller

Geschwätzige Zicken