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Gender:Sogar ein Mann kann Bundeskanzler sein

Wer Frauen fördern und die Gleichberechtigung vorantreiben will, tut also gut daran, Frauen nicht durch Exklusivität zu isolieren. Frauen dürfen nicht unter sich bleiben, weder in Diskussionsrunden noch in Machtzirkeln, und sie sollten das selbst auch nicht anstreben.

Aus der Organisationsforschung wissen wir, dass monokulturelle Teams schwach sind. Wenn der erfahrene Frauenförderer Thomas Sattelberger, früher Telekom-Vorstand und jetzt Bundestagsabgeordneter, die Hinterzimmermentalität auch in seiner eigenen Partei, der FDP, kritisiert und klagt: "Wir müssen uns bitter und hart die Karten legen, dass unser parlamentarisches System, wie es heute ist, nicht genderfähig, nicht divers, nicht offen ist für parteiübergreifende Diskussionen", dann propagiert er eben gerade nicht die Herrschaft einer einzigen kulturellen Gruppe - egal ob das nun Männer sind oder Frauen. Besser ist es doch, die Anstrengungen um mehr Gleichberechtigung, mehr Diversität in den Gremien zu nutzen, um Staat und Gesellschaft besser zu machen.

Deshalb müssen auch bei einem Kongress im Zeichen des großen W Männer hinzugezogen werden. Und in der Politik, beim großen Ganzen, müssen die Besten an die Schaltstellen der Macht, und das kann - Achtung! - auch ein Mann sein, sogar als Bundeskanzler.

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Das war der Plan-W-Kongress

Von der Kraft gemischter Teams können Vertreter moderner Unternehmen mit einer Leidenschaft berichten, dass es eine Freude ist. Ob Männer, ob Frauen, ob Jung oder Alt, Weiße oder Farbige, Deutsche oder Menschen mit Migrationshintergrund - sie alle gehören mit dazu, und zwar auf allen Ebenen, sie entfalten die größte Wirkung gerade in ihrer Vielfalt.

Dass gemischte Teams kreativer sind, ist keine neue Erkenntnis

Beim SZ-Kongress gab es dazu eine kleine, berührende Szene zu beobachten. Auf der Bühne debattierte eine Runde nur mit Frauen, weil der ebenfalls eingeladene Mann sich verspätete. Die Diskussion lief gut und klug und einwandfrei, aber dass sie noch nicht auf dem höchstmöglichen Niveau angelangt war, fiel erst auf, als der fehlende Mann dann doch noch dazustieß. Sofort änderte sich der Flow der Diskussion, sie wurde kreativer, geistreicher, interessanter. Nicht weil der Mann klüger oder witziger war als die Frauen, beileibe nicht, sondern einfach - weil er da war. Weil ein neuer Sound entstand. Der konnte allerdings auch nur entstehen, weil die Frauen auf der Bühne so klug und empathisch waren, diese Chance auch zu ergreifen. Ob das umgekehrt in einer reinen Männerrunde mit einer später dazu kommenden Frau so funktioniert hätte, darf man aus Erfahrung bezweifeln.

Natürlich gibt es gemischte Teams schon länger (wenn auch nicht so furchtbar lang: Die erste Frau in einem Bundeskabinett, Gesundheitsministerin Elisabeth Schwarzhaupt, startete 1961, und eine Innenministerin gab und gibt es dort bis heute nicht), und dass gemischte Teams besser funktionieren als homogene, ist auch keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Aber erst jetzt setzt sich diese Erkenntnis breit durch, und das hat mit einer revolutionären Neuerung zu tun: der Digitalisierung.

Diese wird ja immer noch viel zu sehr nur als technisches Thema gesehen: Haben wir genug Breitband? Sind unsere Fabriken fit für Industrie 4.0? Wird in Schulen Programmieren gelehrt? Bei der Digitalisierung aber geht es maßgeblich auch um neues Denken in allen Bereichen und auf allen Ebenen. Beispielsweise den Abbau hierarchischer Strukturen: Der Typus des traditionellen Managers, des Bosses, der den Laden durch das Nachhalten von Excel-Tabellen führt, hat ausgedient, oder besser: sollte ausgedient haben. Das ist dumm für Frauen, die die besseren Männer sein wollen, ebenso allmächtig und allherrlich, wie sie das früher erlebt haben, aber es ist gut für die Kreativität in Teams, die - mit Empathie und Motivation geführt - die besten Ergebnisse erzielen.

Diese Veränderung ist so groß, dass sie den Push zur Vollendung der Gleichberechtigung bringen kann. Viele Frauen und Männer haben das in den Mühen des Alltagskampfs um mehr Gleichberechtigung vielleicht noch gar nicht bemerkt. Die umstrittene Frage, ob man noch Quoten einführen muss, freiwillig-verbindliche oder gar gesetzliche, ist angesichts der Kraft des Faktischen im digitalen Zeitalter möglicherweise gar nicht mehr so wichtig. Es siegt die praktische Vernunft über Ideologie und Theorie.

Die Gleichberechtigung von Mann und Frau, eingebettet in eine umfassende Diversität, ist so eindeutig die dem digitalen Zeitalter angemessene Organisationsstruktur, dass ihre Vollendung gar nicht aufzuhalten ist. Damit ist es klar: Die Gleichberechtigung kommt, schneller als viele ahnen. Das ist bei all den schlechten Perspektiven für die Welt, in der wir leben, am Ende dann doch noch eine gute Nachricht.

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