Frage an den SZ-Jobcoach Wann sage ich einer Mitarbeiterin, dass sie keine Chance hat?

Uta K. braucht Hilfe vom SZ-Jobcoach.

(Foto: Jessy Asmus)

Eine befristet Angestellte spekuliert auf eine feste Stelle. Doch Uta K. will ihr keine Hoffnungen machen und bittet den Jobcoach um Rat.

SZ-Leserin Uta K. fragt:

Ich leite eine Abteilung in einem Dokumentationszentrum, in dem mehrere Mitarbeiter befristet angestellt sind. Im Lauf des nächsten Jahres wird eine feste Stelle frei. Aufgrund des Aufgabenzuschnitts dürfte zumindest eine der befristet angestellten Mitarbeiterinnen darauf spekulieren, in ein festes Anstellungsverhältnis übernommen zu werden. Ich halte sie allerdings nicht für eine geeignete Kandidatin und würde daher die Stelle gern offen ausschreiben (was ohnehin vorgeschrieben ist, aber in der Regel nur pro forma durchgeführt wird). Darf ich die Mitarbeiterin in der Hoffnung auf die feste Stelle lassen? Oder sollte ich sie schon einmal vorwarnen, mit der möglichen Folge, dass sie den Rest des Jahres weniger Einsatz zeigen wird?

Christine Demmer antwortet:

Liebe Frau K., Sie haben die Aufgabenstellung so klar, stringent und nachvollziehbar beschrieben, dass man leicht Gefahr läuft, Ihnen schnurstracks in den schmalen Lösungskorridor zu folgen. Darin gibt es nur eine Handlungsalternative: Entweder die Mohrrübe Festanstellung noch eine Weile vor der Mitarbeiterin baumeln zu lassen oder sie ihr wegzunehmen. Von der ersten Lösung erwarten Sie jetzt ungebrochene Motivation und später - nämlich nach dem großen Knall - einen Leistungsabfall. Die zweite Lösung verringert das Engagement der Mitarbeiterin sofort. Mit Ärger rechnen Sie folglich auf jeden Fall, entweder jetzt oder später.

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Wenn Sie in Ihrem Lösungskorridor bleiben wollen, liegt die Antwort auf der Hand. Sie wählen die Variante mit den geringsten Folgen für Ihre Abteilung: Weg mit der Möhre und raus mit der schlechten Nachricht! So können Sie vorgehen. Man nennt das "Management". Sie können aber auch auf "Führung" umschalten und überlegen, ob sich vielleicht auf den zweiten und dritten Blick noch andere Lösungen finden lassen. Sehen Sie wirklich keine Möglichkeit, Ihre Mitarbeiterin in der verbleibenden Zeit fit zu machen für diese Aufgabe, die mit der ersehnten festen Stelle verbunden ist? Sie glauben nicht, dass sie es kann. Aber Sie wissen, dass sie es will.

Also könnten Sie diese Motivation nutzen, um ihr ohne Umschweife zu erklären, was Sie vom künftigen Inhaber der unbefristeten Stelle erwarten und warum Sie glauben, sie schaffe das nicht. Sie könnten sie fragen, ob sie bereit wäre, dazuzulernen oder ihr Verhalten zu ändern oder was Sie eben an ihr kritisieren.

Hören Sie genau zu. Wenn das, was Sie hören, Hand und Fuß hat, dann kommen Sie mit dem Zauberspruch. Manager haben keinen, aber Führungskräfte schon. Er lautet: Wie, Frau Mitarbeiterin, kann die Firma, kann ich, kann das Team Ihnen dabei helfen, Ihr Ziel zu erreichen? Wobei das Ziel Ihrer Mitarbeiterin, nämlich die feste Stelle zu bekommen und gut auszufüllen, auch Ihr Ziel sein sollte. Denn die interne Lösung wird sich schlagartig herumsprechen und Sie in ein gutes Licht setzen. Außerdem sparen Sie sich die bevorstehende Personalauswahl.

Bedarf es noch eines abschließenden Arguments? Ihre Lösungsalternative beruht gefährlich stark auf Vermutungen. Sie wissen nicht, ob die Leistung Ihrer Mitarbeiterin abfällt, sobald die Festanstellung in anderen Händen ist. Sie befürchten es nur. Und sie gehen einfach so davon aus, dass die Möhre Festanstellung bis zum Tag des großen Knalls knackig bleibt. Das wissen Sie aber auch nicht. Falls Ihre Mitarbeiterin schon eher von der geplanten Neubesetzung erfährt, etwa via Flurfunk, ist das Vertrauensverhältnis zwischen Ihnen dahin. Und die Tatsache, dass Sie mit unerreichbaren Mohrrüben locken, wird auch Ihr Team nicht erfreuen. Denn jeder wird fürchten, dass er beim nächsten Mal der Esel ist.

Christine Demmer arbeitet als Wirtschaftsjournalistin und Coach in Deutschland und Schweden.

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