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Frage an den Jobcoach:Wie schaffe ich als Mutter den beruflichen Neueinstieg?

Sonja S. ist hoch motiviert, aber ihrer Kinder wegen eher unflexibel. Vom SZ-Jobcoach will sie wissen, wie sie das bei einer Bewerbung anbringen soll.

SZ-Leserin Sonja S. fragt:

Nach meiner zweiten Elternzeit wurde mir betriebsbedingt gekündigt. Trotz eines geisteswissenschaftlichen Magister-Abschlusses, diverser Auslandsaufenthalte, exzellenter Sprachkenntnisse, guter Zeugnisse und langjähriger Berufserfahrung in mehreren Eventmarketing-Agenturen laufen alle Bewerbungen ins Leere. Ich bin sehr motiviert, kann aber wegen der Kinder weder umziehen noch allzu viele Dienstreisen machen. Wie kann ich mich als junge Mutter positionieren, um Chancen auf einen Neueinstieg zu haben?

Christine Demmer antwortet:

Liebe Frau S., Sie scheinen zu wissen, was Sie können, was Sie wollen und was Sie weder können noch wollen. Das ist eine halbwegs stabile Ausgangsbasis für weitere Überlegungen, nämlich die Frage: Was wollen und können Sie denn leisten, beispielsweise für eine Eventmarketing-Agentur? Das ist ebenso wichtig wie die marktgängige Positionierung, denn Sie wollen ja einlösen, was Sie in Bewerbung und Jobinterview versprechen. Auch eine Glühlampe lässt sich als puristisches Designobjekt positionieren. Besser verkauft sie sich jedoch, wenn sie auch leuchtet. Form und Funktion sind ein gutes Paar.

Der SZ-Jobcoach

Christine Demmer arbeitet als Wirtschaftsjournalistin in Deutschland und Schweden. Sie ist Managementberaterin, Coach und Autorin zahlreicher Sachbücher zu Kommunikations- und Personalthemen.

Unter Einschluss Ihres Ausschlusses bietet das Backoffice die besten Chancen für eine erfolgreiche Bewerbung. Jeder Veranstaltungserfinder und -ausrichter hat mindesten ein Büro unter dem Dach, im Souterrain oder ganz hinten am Ende des Gangs, wo kompetente Mitarbeiter den Kollegen an der Kundenfront zuarbeiten. Wer dort sitzt, dem ist das Schaffen wichtiger als die Show. Im Backoffice sitzt man, aber man reist selten. Große Auftritte, Castings und Kundenbesuche kommen kaum vor, weshalb ja so viele Kreative kreuzunglücklich sind, wenn sie ins Backoffice wechseln sollen.

Ein Job in der unsichtbaren Organisation einer nahe gelegenen Agentur würde Ihre Bedingungen erfüllen und Sie gleichzeitig als Idealbesetzung empfehlen. Wenn Sie eine dieser seltenen Mitarbeiter sind oder es werden wollen, denen Schaffen vor Show geht. Wenn Sie gern im Hintergrund, aber zusammen mit einem Team an Projekten mit vielen Details herumdröseln, ohne für jede Kleinigkeit gleich großartigen Dank zu erwarten. Und wenn Sie zufrieden damit sind, dass die Veranstaltungen störungsfrei über die Bühne gehen, ohne dass Sie darauf sichtbar sind.

Gewiss, für gute Leistungen werden Sie sich oft selbst applaudieren müssen, weil die guten Geister im Hinterzimmer gerne übersehen werden. Dafür haben Sie aber dann auch Ruhe vor nervigen Kunden. Und wenn Ihre Kinder Sie mal zu Hause brauchen, dann organisieren Sie eben aus dem Wohnzimmer. Sie glauben ja gar nicht, wie gern die Wirtschaft die eine oder den anderen Selbstdarsteller gegen Mitarbeiter eintauschen würde, denen daran überhaupt nicht gelegen ist.

Ihre Frage an den SZ-Jobcoach

Haben Sie auch eine Frage zu Berufswahl, Bewerbung, Etikette oder Arbeitsrecht? Dann schreiben Sie ein paar Zeilen an coaching@sueddeutsche.de. Unsere Experten beantworten ausgewählte Fragen. Ihr Brief wird anonymisiert.

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