Fortbildung im Job Anbieter "auf Herz und Nieren prüfen"

In einem zweiten Schritt muss sich dann jeder Weiterbildungsinteressierte mit den Suchergebnissen gründlich auseinandersetzen, denn eine Aussage über Qualität machen die Datenbanken nicht. Anhaltspunkte liefern Akkreditierungen und Rankings bei Studienprogrammen oder Zertifizierungen für Lehrgänge. Aber auch die sind mit Vorsicht zu genießen, da sie oft - etwa wie die Zertifizierung nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) - oft eher die Organisation des Unternehmens bewerten. Ein wirklich verlässliches Qualitätssiegel, das Interessierten die eigene Recherche abnehme, gebe es leider nicht, sagt Jappe.

Bei der Stiftung Warentest, die seit mehr als zehn Jahren Weiterbildungsangebote prüft (weitere Infos hier), heißt es lapidar: "Einen guten Kurs zu erwischen, ist Glückssache." Wer "Reinfällen" vorbeugen wolle, müsse den Anbieter vorher auf "Herz und Nieren prüfen".

Jappe rät daher dazu, in jedem Fall die Allgemeinen Geschäftsbedingungen durchzuschauen - wie hoch eine mögliche Stornierungspauschale etwa ist und wann sie anfällt. Auch ein Rücktrittsrecht für die Dauer von 14 Tagen nach Vertragsabschluss oder die Möglichkeit einer Unterbrechung der Weiterbildungsmaßnahme sollte enthalten sein. "Die, die in Frage kommen, muss man sich genauer angucken und miteinander vergleichen: Wie genau sind die Infos, die vorab gegeben werden? Passt der Kurs wirklich zu meinen Lernzielen? Welche Zielgruppen nennt der Anbieter? Wer sind die Lehrkräfte?" Man sollte immer anrufen und sich persönlich beraten lassen, wie genau der Kurs ablaufen werde. "Wenn man da keine Informationen bekommt oder nur auf die Website verwiesen wird, ist das schon mal ein schlechtes Zeichen", sagt Jappe. Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung rät zudem dazu, sich vorher ausführlich über Teilnehmerzahl, Praxisbezug und die Möglichkeit, Lernerfolge zu überprüfen, zu informieren.

Qualität der Beratung oft enttäuschend

Auch die Einschätzungen früherer Teilnehmer können eine hilfreiche Informationsquelle sein: Vielleicht hat ein Kollege oder der Kollege eines Kollegen schon einmal eine Weiterbildung dieser Art absolviert oder der Betriebsrat weiß Näheres. Auch auf Facebook oder Business-Netzwerken wie Xing kann man Teilnehmer fragen, ob sie Erfahrungen mit diesem Kurs oder jenem Anbieter haben. Mitunter gibt es sogar die Möglichkeit, eine Zeitlang den Kurs probeweise zu besuchen.

Darüber hinaus kann man sich bei der Arbeitsagentur, bei den Kammern und Berufsverbänden, bei den Kommunen oder bei den Volkshochschulen beraten lassen. Allerdings fällt die Bilanz der Stiftung Warentest auch hier eher bescheiden aus: Mehr als befriedigend war die Beratungsleistung der getesteten Anbieter nicht. Hauptkritikpunkt war, dass die Stellen zwar über Angebote informieren, aber nicht im eigentlichen Sinne beraten, also individuell auf den Interessenten abgestimmte Hilfestellung bieten. "Wir stellen immer wieder große Mängel fest, weil oft der Schritt fehlt, dass man tatsächlich herausfindet, welche Weiterbildung wirklich zu demjenigen passt", sagt Jappe.

Die Expertin rät daher dazu, sich gründlich vorzubereiten, sich die eigenen Voraussetzungen und Ziele vorab genau zu überlegen und beispielsweise einen Lebenslauf mitzubringen. Das erhöht die Chancen, dass man nicht mit allgemeinen Infos abgespeist wird und der Berater tatsächlich auf die persönlichen Bedürfnisse eingeht.