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Formulierungen im Arbeitszeugnis:Was Personaler wirklich sagen wollen

Es scheint ein Code zu sein, den nur Personaler kennen. Im Arbeitszeugnis verwenden sie nette Formulierungen, in denen in Wahrheit eine bitterböse Beurteilung steckt. Welche Bewertungen es im Arbeitszeugnis gibt - und was sie wirklich bedeuten. Ein Überblick.

Hört sich doch gut an: "Sie hat die ihr übertragenen Aufgaben mit großem Fleiß und Interesse erledigt", schreibt der Chef im Arbeitszeugnis. Damit kann man sich sehen lassen. Oder etwa nicht?

Nicht alles, was im Arbeitszeugnis nett klingt, ist auch so gemeint. "Wohlwollend" muss ein Zeugnis in Deutschland immer sein, deshalb verklausulieren Personaler ihre wahre Meinung über den Angestellten gerne. Es gibt geradezu einen Arbeitszeugnis-Code. Was die einzelnen Formulierungen wirklich bedeuten - ein Überblick.

"Herr XY erledigte alle Aufgaben mit großem Fleiß und Interesse": Er hat sich bemüht, war aber wenig erfolgreich.

"Frau XY hat alle ihr übertragenen Aufgaben ordnungsgemäß erledigt": Sie machte Dienst nach Vorschrift, zeigte aber keine Eigeninitiative.

"Herr XY war stets pünktlich": Ansonsten konnte er nicht überzeugen.

"Frau XY trug durch ihre Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas bei": Sie schaute öfter mal zu tief ins Glas, hat möglicherweise ein Alkoholproblem.

"Herr XY zeigte Verständnis für alle anfallenden Arbeiten": Aber erledigt hat er sie nicht.

"Frau XY hatte stets einen Blick für das Wesentliche": Sie war eine gute Mitarbeiterin, die auch mit schwierigen Situationen gut klar kam.

"Herr XY verfügte über profunde Sachkenntnis und zeigte beachtliches Selbstvertrauen": Der Mitarbeiter ist besserwisserisch und vorlaut.

"Frau XY hatte ein gutes Verhältnis zu den Vorgesetzten und vermied Spannungen": Ja-Sager und Mitläufer ohne Rückgrat.

"Für den weiteren Lebensweg wünschen wir viel Glück und Erfolg. Das Ausscheiden nehmen wir mit großem Bedauern zur Kenntnis": Wir hätten den exzellenten Mitarbeiter gerne in der Firma behalten.

Nette Umschreibung für Pedant

"Das Ausscheiden erfolgt auf eigenen Wunsch": Neutrale Formulierung: Mitarbeiter hat gekündigt.

"Das Ausscheiden erfolgt in gegenseitigem Einvernehmen": Dem Arbeitnehmer wurde gekündigt.

"Wir lernten ihn als umgänglichen Mitarbeiter kennen": Die meisten Kollegen wollten nichts mit ihm zu tun haben.

"Im Kollegenkreis galt er als toleranter Mitarbeiter": Die Vorgesetzten werden nicht erwähnt, also: Der Mitarbeiter hatte Probleme mit seinen Vorgesetzten.

"Entsprechend dem Wunsch von Frau XY bescheinigen wir....": Die Angestellte fordert eine positive Bewertung - aber die Personalabteilung kann diese nicht bestätigen.

"Sie arbeitete mit größter Genauigkeit": Sie war pedantisch.

"Sie zeigte sich den Belastungen gewachsen": Sie war nicht besonders belastbar.

"Bei allen auftretenden Problemen, war er stets kompromissbereit": Er war nachgiebig.

"Wir wünschen ihm auf seinem künftigen Lebensweg viel Erfolg": Er hatte bisher wenig Erfolg.

Viele Zeugnisformulierungen lassen sich in Schulnoten übersetzen. Ein Überblick:

Formulierungen, die der Note "Sehr gut" entsprechen:

[] Frau XY hat die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt.

[] Wir waren mit ihren Leistungen in jeder Hinsicht außerordentlich zufrieden.

[] Ihre Leistungen haben in jeder Hinsicht unsere vollste Anerkennung gefunden.

[] Frau XY war stets sehr gut motiviert und verfügte über eine in jeder Hinsicht ausgezeichnete Arbeitsbefähigung.

[] Sie zeichnete sich durch eine hohe Arbeitsmoral aus und war jederzeit bereit, auch zusätzliche Arbeiten zu übernehmen.

[] Frau XY arbeitete jederzeit absolut zuverlässig, zielstrebig und zügig.

[] Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war stets vorbildlich.

[] Sie wurde wegen ihres freundlichen Wesens und ihrer kollegialen Haltung bei Vorgesetzten und Mitarbeitern sehr geschätzt.

Beurteilungen für gute Mitarbeiter

[] Wir danken für die gute Zusammenarbeit und wünschen besonders für den weiteren beruflichen Werdegang viel Glück und Erfolg.

Formulierungen, die der Note "Gut" entsprechen:

[] Herr XY hat die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.

[] Seine Leistungen haben unsere volle Anerkennung gefunden.

[] Wir waren mit seinen Leistungen voll und ganz zufrieden.

[] Herr XY war stets gut motiviert und verfügte über eine in jeder Hinsicht gute Arbeitsbefähigung.

[] Vorgesetzte und Kollegen schätzten ihn als kooperativen Mitarbeiter.

[] Er zeichnete sich durch ein hohes Pflichtgefühl aus und war bereit, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen.

[] Er arbeitete zuverlässig, zielstrebig und zügig.

[] Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war vorbildlich.

[] Herr XY erledigte seine Aufgaben stets selbständig mit großer Sorgfalt und Genauigkeit.

Formulierungen, die der Note "Befriedigend" entsprechen:

[] Frau XY hat die ihr übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.

[] Wir waren mit ihren Leistungen jederzeit zufrieden.

[] Ihre Leistungen haben unseren Erwartungen in jeder Hinsicht entsprochen.

[] Frau XY war gut motiviert und verfügte über eine gute Arbeitsbefähigung.

[] Sie verfügte über eine gute Arbeitsbereitschaft und war eine belastbare Mitarbeiterin.

[] Sie arbeitete zuverlässig und zügig.

[] Ihr Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war vorbildlich.

[] Sie erledigte ihre Aufgaben stets sorgfältig und genau.

Formulierungen, die der Note "Ausreichend" entsprechen:

[] Herr XY hat die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erledigt.

[] Wir waren mit seinen Leistungen zufrieden.

[] Er hat unseren Erwartungen entsprochen.

Beurteilungen für mangelhafte Leistungen

[] Die Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Mitarbeitern verlief meist reibungslos.

Formulierungen, die der Note "Mangelhaft" entsprechen:

[] Frau XY hat die ihr übertragenen Aufgaben im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt.

[] Ihre Leistungen haben weitestgehend unseren Erwartungen entsprochen.

[] Sie hat die ihr übertragenen Aufgaben mit großem Fleiß und Interesse erledigt.

[] Sie war in der Regel erfolgreich.

[] Ihre Leistungen entsprachen im Wesentlichen den Anforderungen.

Formulierungen, die der Note "Ungenügend" entsprechen:

[] Herr XY hat sich bemüht, die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen.

[] Er hat sich bemüht, unseren Erwartungen zu entsprechen.

[] Er war bestrebt, sich neuen Situationen anzupassen.

[] Das persönliche Verhalten war im Wesentlichen tadellos.

© sueddeutsche.de/holz/tina

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