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Finanzierung:Wie Gründerinnen besser an Kapital kommen

Illustration: Stefan Dimitrov

In den USA geht nur drei Prozent des Risikokapitals an Start-ups von Frauen. Meistens auch, weil Männer über die Vergabe entscheiden. Ein Netzwerk kämpft dagegen an.

In Start-ups von Frauen wird signifikant weniger investiert als in Start-ups von Männern. Das Phänomen wird auch als Gender-Funding-Gap bezeichnet. Investorinnen haben sich nun zu dem Netzwerk "Women in VC" zusammengeschlossen, um dieser geschlechtsspezifischen Finanzierungslücke entgegenzuwirken.

Nur drei Prozent des Risikokapitals geht in den USA an Start-ups von Frauen. Das ergab eine Studie des Babson College in Massachusetts. Die Forscher untersuchten fast 68 000 Start-ups, die zwischen 2011 und 2013 Risikokapital einsammeln konnten. Gründerinnen erhielten 1,5 Milliarden Dollar, Gründer hingegen fast 50 Milliarden Dollar. Risikokapital, auch Wagniskapital oder Venture Capital genannt, fließt in Start-ups mit innovativen und meist riskanten Geschäftsideen. Da die Jungunternehmer meist noch keine Kredite erhalten, sind sie auf derartige Finanzhilfen angewiesen.

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Sutian Dong, Mitgründerin des internationalen Investorinnennetzwerks "Women in VC" hält das geschlechtsspezifische Finanzierungsproblem für einen Teufelskreis. Menschen investieren lieber in etwas, das sie kennen. Historisch gesehen gebe es jedoch wenige Erfolgsgeschichten von Gründerinnen. "Es gibt keinen weiblichen Mark Zuckerberg - noch nicht", sagt Dong. Doch wenn in Start-ups von Frauen weniger investiert wird, bleibt dies auch so. Dabei könne sich eine Beteiligung lohnen. Laut Studien entwickeln sich die Startups von Frauen besser, seien aber oft unterschätzt. "Wer die Chancen vor dem Markt erkennt, dessen Fonds wird davon profitieren", erklärt Dong, die auch Partnerin beim Female Founders Fund ist, einer Fondsgesellschaft, die in von Frauen geführte Start-ups investiert.

Das Netzwerk wuchs innerhalb weniger Monate auf 300 Mitglieder

Oft würden auch Männer über die Vergabe von Risikokapital entscheiden, sagt Dong: "Aus diesem Grund ist das 'Women in VC'-Verzeichnis so wichtig. Je mehr Frauen wir haben, die entscheiden, in wen investiert wird, desto eher erhalten Gründerinnen Geld." Aktuell besteht das Netzwerk aus rund 1800 Investorinnen aus 46 Ländern. Sutian Dong, die das Netzwerk zusammen mit Jessica Peltz-Zatulove gestartet hat, plant, bald auch Unternehmensgründerinnen einen Zugang zu ermöglichen. "Wir arbeiten noch an einem Weg, wie wir die sensiblen Informationen in unserem Verzeichnis schützen können, aber trotzdem besser darin werden, Unternehmensgründerinnen und weibliche Investoren miteinander zu verbinden", erklärt Dong. Unter anderem diskutieren die Mitglieder in dem Verzeichnis Jobangebote und tauschen Investitionsvorschläge aus.

Ursprünglich war das Netzwerk in Form unregelmäßiger Events mit 15 Teilnehmerinnen gestartet. "Wir waren wirklich überrascht und erfreut, wie gut das Feedback der Frauen in der Community war", sagt Dong. Das Netzwerk wuchs innerhalb weniger Monate auf 300 Mitglieder, die sich zunächst über sogenannte Google Documents austauschten. Die Excel- oder Word-Dateien sind online abrufbar und können von mehreren Nutzern zeitgleich bearbeitet werden.

Wie viel Potenzial in dem Netzwerk steckt, wurde Dong und Peltz-Zatulove jedoch erst bewusst, als sie von einer Alternative zu Google Documents hörten: Airtable. Dieser Onlinedienst vereint Dokumente, an denen gemeinsam gearbeitet werden kann mit der Möglichkeit, eine Datenbank zu schaffen. "Zu diesem Zeitpunkt waren wir auf fast 1000 Frauen weltweit gewachsen und überlegten, Statistiken über unsere Mitglieder zu erstellen", erinnert sich Peltz-Zatulove, die Partnerin beim Risikokapitalgeber MDC Ventures ist.

"Ich denke, es liegt an der Risikoaversion"

Kürzlich stellten Dong und Peltz-Zatulove die Ergebnisse einer Untersuchung vor. Sie geben Einblicke in die Bereiche und Phasen, in denen weibliche Investoren tätig sind. So würden Frauen eher Start-ups bevorzugen, die aus dem Unternehmens- oder Finanztechnologiebereich oder dem Gesundheitswesen kommen. Zudem zeigte die Studie, dass die Mehrheit der Mitglieder in den Frühphasen investieren. "Wir nehmen an, dass die Partnerinnen ihre Firmen zum Teil selbst gegründet haben und die Fonds kleiner sind. Sie haben also keine Kapazität, jenseits der frühen Phase in Start-ups zu investieren", erklärt Peltz-Zatulove.

Auch Sabine Flechet, Leiterin des LeadXCapital-Partners-Innovation-Funds, ist in der Frühphase tätig. LeadXCapital Partners gehört zur Metro-Gruppe und investiert in Start-ups, die technische Lösungen für beispielsweise Restaurants und Hotels anbieten. Ihrer Meinung nach mache es sehr viel mehr Spaß, in den frühen Phasen mit Start-ups zusammenzuarbeiten. Flechets Portfolio besteht aus 70 Unternehmen. Nur zwei bis drei hätten rein weibliche Gründungsteams. Allerdings gebe es auch einige Teams, die aus Frauen und Männern bestehen. "Ich mag den Mix. Ich bin sicher, dass Managementteams, die aus männlichen und weiblichen Gründern bestehen, sich gut ergänzen und ein größeres Spektrum von Fähigkeiten abdecken können als rein männliche oder weibliche Teams", erklärt Flechet, die auch Mitglied im Netzwerk Women in VC ist. Allerdings seien Unternehmerinnen völlig unterrepräsentiert. "Ich denke, es liegt an der Risikoaversion und einem Mangel an technischem Wissen. Wir sollten mehr Schülerinnen für wissenschaftliche, mathematische und technische Studiengänge begeistern."

Blöde Sprüche kamen nur selten

Bei Anastasia Hofmann und Naomi MacKenzie, den Gründerinnen des Schweizer Food-Tech-Start-ups Kitro, hat es auch ohne technisches Studium geklappt. Sie haben sich einfach einen Spezialisten hinzugezogen. Kitro ist ein Gerät, das analysiert, was alles im Abfalleimer einer Küche landet. "So können wir Köchen, aber auch Restaurantmanagern eine gute Übersicht geben, wie viel sie von was wegschmeißen, was vermeidbar ist, was die Kosten dahinter sind und wo die größten Probleme liegen, damit sie ihre Arbeitsschritte anpassen können, um Lebensmittelabfälle zu reduzieren", erklärt Hofmann.

Entgegen der Studien war die Investorensuche für die Gründerinnen mit Sitz in Lausanne und Zürich keine große Herausforderung. "Wir hatten sehr viel Glück mit unseren Investoren. Wir haben eine Finanzierungsrunde gemacht mit Business Angels hier in der Schweiz. Es war sehr selten, dass wir gedacht haben: 'Okay, der macht jetzt einen blöden Spruch, weil wir Frauen sind'", erinnert sich Hofmann. Unterstützung erhielt Kitro auch vom Programm der Metro Gruppe und gehört damit zum Portfolio von Sabine Flechet.

Nun steht für Kitro eine weitere Finanzierungsrunde an, um das Produkt zu industrialisieren. Ob die Gründerinnen die Investoren und Investorinnen auch in den späteren Runden überzeugen können, bleibt abzuwarten. Denn laut einer Studie des Female Founder Funds gibt es in der Wachstumsphase nicht nur weniger Partnerinnen, dort ist auch die Finanzierungslücke für Frauen größer.

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