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Existenzgründung:Gründerinnen kommen schwerer an Kredite

Frauen brauchen für ihre eigene Firma oft nur wenig Startkapital. Bei den Banken haben sie trotzdem einen schlechteren Stand.

Wichtigster Erfolgsfaktor bei der Unternehmensgründung ist die Finanzierung. Frauen haben es dabei meist schwerer an Kredite zu kommen als Männer. Der Bund und die Länder wollen Gründerinnen beim Start in die Selbständigkeit zwar unterstützen. Häufig gehen die Angebote aber am Bedarf vorbei.

"Wir sehen, dass der Frauenanteil am Gründungsgeschehen in den vergangenen 15 Jahren nach und nach auf 43 Prozent angestiegen ist. In 2016 gab es zwar einen leichten Rückgang, der erklärt sich allerdings aus der für Frauen besonders positiven Arbeitsmarktentwicklung", sagt Arne Leifels, Forscher bei KfW Research. 2015 erzielten Unternehmerinnen 298 Milliarden Euro Umsatz, das entspricht sieben Prozent des Gesamtumsatzes im Mittelstand. Insgesamt beschäftigten die Unternehmen 3,3 Millionen Personen. Dies belegt den wichtigen Beitrag von selbständigen Frauen zum Wirtschaftswachstum, ihr Potenzial ist allerdings noch groß. Trotz umfangreicher Förderungen, halten sich manche Hürden hartnäckig.

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Fest steht, dass Frauen an das Projekt der Selbständigkeit mehrheitlich anders herangehen als Männer. Sie gründen in anderen Branchen, mit geringerem Finanzierungsbedarf und seltener mit Beschäftigten sowie häufig im Nebenerwerb. Die Selbständigkeit erfolgt großteils in personenbezogenen und wissensintensiven Dienstleistungen, die ohne große Anfangsinvestitionen und häufig auch von zu Hause erbracht werden. "Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist auch für Frauen in der Selbständigkeit das Top-Thema und für viele Gründerinnen ein Hemmnis. Aufgrund der zeitlichen Einschränkung gründen sie häufig im Nebenerwerb, was Wachstum und Erfolg ihrer Projekte beeinträchtigt", sagt Claudia Schlebach, Leiterin Unternehmensförderung und Gründung der IHK München.

"Viele versuchen erst gar nicht, eine Finanzierung von der Bank zu bekommen."

Den geringen Verdienst belegt die Studie "Bloß keine Schulden" von Claudia Gather von der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin. "Der Einkommensunterschied zwischen selbständigen Frauen und Männern liegt bei Menschen, die mehr als 35 Stunden in der Woche arbeiten bei rund 35 Prozent", sagt Gather. Wichtigster Erfolgsfaktor und zugleich größte Herausforderung für Gründer ist die Finanzierung des Firmenstarts. Die Zahlen zeigen, dass Frauen über geringeres Eigenkapital verfügen, weniger Kapital in die Gründung investieren und seltener Fremdfinanzierungen für ihr Projekt beanspruchen als Männer. "Viele versuchen erst gar nicht, eine Finanzierung von der Bank zu bekommen und gründen mit zu kleinem Vermögen. Das sind häufig Bedingungen, die sich später rächen. Viele bekommen aber auch von Verwandten oder Bekannten das Startkapital für ihre Gründungsideen", weiß Gila Otto, Geschäftsführerin des Hamburger Vereins Frau und Arbeit aus ihrer Beratungstätigkeit.

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Mut zu mehr Risiko und damit zu rascherem Wachstum und höherem Einkommen wäre hier der Weg zum Erfolg. Dazu braucht es allerdings geeignete Finanzierungspartner. Förderdarlehen von Bund und Ländern sollen unterstützen. Die Vergabe von zinsgünstigen Krediten und Bürgschaften der Förderbanken erfolgt über die Hausbanken. Hier zeigt sich in der Praxis, dass Frauen bei Kreditinstituten häufig abblitzen. Dies liegt zum einen an ihren geringeren Vermögenswerten, die Banken als Sicherheiten fordern, aber auch an den niedrigen Kreditbeträgen unter 20 000 Euro. "Die existierenden Kreditprogramme diskriminieren Frauen indirekt, da sie auf höhere Beträge und Sachinvestitionen zugeschnitten sind. Frauen benötigen hingegen Kapital zum Lebenserhalt und für die Zwischenfinanzierung des laufenden Geschäftes", sagt Gather. Vielen Gründerinnen bleibt somit der Zugang zum Startgeld der KfW, dem wichtigsten Förderinstrument für Gründer, verwehrt.

Mit zu wenig Kapital kann es im zweiten und dritten Jahr Probleme geben

Geeignetere finanzielle Hilfen für die weibliche Zielgruppe sind Mikrokredite, wie sie etwa von den Förderbanken NRW und Schleswig-Holstein deutlich unter 10 000 Euro angeboten werden. "Wer ein gutes Konzept, aber nicht genügend Eigenkapital hat, kann relativ unkompliziert über das Beteiligungsprogramm der Förderbank Bayern Eigenkapital erhalten. Das wiederum erhöht die Chance, weiteres Fremdkapital zu akquirieren", sagt Schlebach. Innovative Start-ups finanzieren sich häufig mittels Wagniskapital von Beteiligungsgesellschaften. Das Finanzierungsnetzwerk Bay-Start-up vermittelt institutionelle Investoren und private Business Angels an Gründerinnen und hilft, eine schlüssige Finanzierungsstrategie zu entwickeln. In der Gründerszene zunehmend beliebt ist Crowdfunding, also die Finanzierung über Nutzer im Internet. Doch Achtung, das eingesammelte Geld wird von Banken nicht als Eigenkapital bewertet.

Um langfristig erfolgreich zu sein, muss auch das mittelfristige Geschäft gut geplant werden. Dazu gehören Liquiditätsrechnung, Investitionsplan und Ertragsvorschau über mindestens drei Jahre. Bis die Gewinnschwelle erreicht ist, kann es dauern. "Der Moment, in dem ein Unternehmen wächst und die ersten Mitarbeiterinnen eingestellt werden, bringt neue Herausforderungen mit sich. Es kommen neue Aufgaben auf die frische Chefin zu. Sie muss eine neue Rolle professionell ausfüllen", sagt Otto. Eine zu knappe Kapitalausstattung kann gerade im zweiten und dritten Jahr durch Steuervorauszahlungen, Krankenkassen- und Rentenbeiträge zu Problemen führen. Hier kann die Beratungsförderung des Bundes, das auf Firmen nach der Gründung zugeschnitten ist, helfen. Gründerinnen, die ihr Projekt mit öffentlichen Mitteln finanzieren und sich beraten lassen, haben laut Experten eine doppelt so hohe Überlebenschance.

Mangelnde Vorbereitung führt oft zu unrealistischen Annahmen und fehlender Marktkenntnis. "Während das fachliche Know-how meist vorhanden ist, fehlt es häufig am unternehmerischen Handeln wie eine systematische Akquisition, dem Verhandlungsgeschick, an einem realistischen Preis- Leistungs-Verhältnis und ähnlichem", sagt Otto. Fehler, die sich leicht vermeiden lassen. Angebote zur Unterstützung von Gründerinnen gibt es kostenfrei bei Industrie- und Handelskammern, Förderbanken und Berufsverbänden. Im Freistaat erhalten Gründerinnen, im Rahmen des Projekts Guide, Beratung sowie Seminare zu gründungsrelevanten Themen. Es kann sich lohnen, diese anzusehen.