Fernsehautoren "In einer Folge 'Ein Fall für zwei' stecken mehrere Monate Arbeit"

Sommer: Nein, denn das Leben in Los Angeles ist ungeheuer teuer, dazu muss die Krankenversicherung über die Honorare mitfinanziert werden. Und eine US-Produktion kostet mehr Geld, das heißt der Anteil des Autors ist dadurch automatisch höher. Man kann dieses System also nicht wirklich mit unserem vergleichen.

SZ: Wie gut kommt ein deutscher Drehbuchschreiber über die Runden?

Sommer: Viele machen, wenn's hoch kommt, ein bis zwei Produktionen im Jahr - und brauchen deshalb noch einen Nebenjob oder einen gutverdienenden Partner. Wer im Jahr drei bis vier Folgen einer Fernsehserie schreibt, kann schon ganz gut davon leben, ist aber längst kein Spitzenverdiener. Für eine Folge von "Ein Fall für zwei" etwa gibt es 12.000 bis 15.000 Euro - da stecken dann aber auch mehrere Monate Arbeit drin.

SZ: Wäre ein Streik wie der in Hollywood in Deutschland denkbar?

Sommer: Kaum, weil es bei uns keine vergleichbare Gewerkschaft gibt. Es gibt einen Berufsverband, in dem allerdings nur etwa die Hälfte der Autoren organisiert sind. Ein Streik hätte also längst nicht die Hebelwirkung wie in den USA.

SZ: Den Hollywood-Autoren geht es nicht nur um mehr Geld, sondern auch um Anerkennung. Sie beklagen, dass ihre Drehbücher umgeschrieben werden, dass sie im Abspann nicht genannt und oft nicht mal zur Premiere eingeladen werden. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Sommer: Ein Kollege von mir hat eine bekannte ZDF-Krimiserie geschrieben, die für den deutschen Fernsehpreis nominiert wurde. Dieser Autor fragte seinen Produzenten, ob er nicht mitreisen dürfte zum Fernsehpreis, denn er hätte ja auch ein bisschen was zu tun mit der Geschichte. Der Produzent sagte: "Klar kannst du fahren, aber die Reisekosten übernehm' ich natürlich nicht." Das spiegelt ziemlich genau wieder, wie hoch das Ansehen eigentlich ist.