Familienfreundliche Arbeitszeiten Durchstarten in Teilzeit

Familie und Beruf sind Vollzeitjobs - darum versuchen viele Frauen, die Angehörige pflegen, auf Teilzeit umzusteigen. Die erweist sich oft als Sackgasse im Job. Doch das muss nicht sein. Wenn alle mitspielen.

Von Verena Wolff

Anja Unglaub, 40, ist leitende Angestellte bei der Bosch Thermotechnik GmbH. In Teilzeit, mit Homeoffice und Verantwortung für ein Restrukturierungsprojekt. Acht Jahre hatte die Betriebswirtin in dem Konzern gearbeitet, der jüngst von der Bundesregierung zum familienfreundlichsten Großunternehmen Deutschlands erkoren wurde, als sie schwanger wurde. Damals, 2009, war sie Leiterin einer Abteilung mit 45 internen und 45 externen Mitarbeitern und gerade auf dem Weg in die nächste Führungsebene. "Nach einem Jahr Elternzeit wollte ich wieder einsteigen und mich dabei auch wieder an das Thema Führung herantasten."

Dresscode im Job

Immer nur Schwarzweiß?

Eine verantwortungsvolle Aufgabe sollte es sein und keine Sackgasse. Doch es gab ein Problem: Anja Unglaub bekam keinen Krippenplatz für ihre kleine Tochter. "Also konnte ich zunächst nur 60 Prozent arbeiten." Für ihren damaligen Chef war das kein Problem. "Er hätte mir den alten Job wiedergegeben." Aber dann kam das Angebot für ihr aktuelles Projekt, "sehr spannend, sehr herausfordernd", wie Unglaub sagt. "Und vor allem durch die Flexibilität der Projektarbeit besser für die reduzierten Stunden geeignet." Inzwischen geht ihre Tochter in den Kindergarten, ihr Stundenpotentat liegt wieder bei 85 Prozent - und der nächste Karriereschritt ist in Arbeit.

Anja Unglaub ist eine der Frauen, für die die Teilzeit keine Sackgasse oder die einzige Möglichkeit, überhaupt zu arbeiten, ist. Sie arbeitet in einem der "alltagstauglichen Teilzeit-Modelle", die Familienministerin Kristina Schröder und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU) erst jüngst gefordert haben. Die Ministerinnen wollen, dass Teilzeitarbeit erleichtert und flexibler zu gestalten ist. Vor allem aber wollen sie, dass die reduzierte Stundenzahl kein Karrierekiller mehr ist. "Bislang konnten zu oft nur die wirklich Karriere machen, denen zu Hause jemand den Kühlschrank befüllt, den Nachwuchs versorgt und den Nachschub an frisch gebügelter Kleidung sicherstellt", stellte Schröder unlängst fest.

Zwar haben Angestellte in Deutschland seit 2001 offiziell das Recht, ihre Stundenzahl zu verringern - doch in der Praxis ist das nicht so einfach. Vor allem für Frauen allerdings ist Teilzeitarbeit oft die einzige Möglichkeit, überhaupt zu arbeiten. 71 Prozent aller Frauen in Deutschland sind zwar erwerbstätig, jede zweite arbeitet in Teilzeit - und zudem nur durchschnittlich 18 Stunden in der Woche, sagte Bundeskanzlerin Merkel. Das liege auch an der mangelnden Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Bei den Führungskräften in der freien Wirtschaft ist das Bild ein ganz anderes. Laut einer aktuellen Studie des Wissenschaftszentrums Berlin arbeiten derzeit nur etwa fünf Prozent von ihnen in Teilzeit.

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