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Familienarbeitszeit:Für 300 Euro geben Väter ihren Vollzeitjob nicht auf

Familien-Leben

Die SPD will Familien fördern, in denen beide Eltern für die Kinder beruflich zurückstecken. Die finanziellen Anreize sind aber gering.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die SPD will Paare belohnen, die sich die Familienarbeit teilen. Die Botschaft ist richtig, aber nur Wahlkampfgeplapper.

Für Gotteslohn, mit anderen Worten ohne Bezahlung, haben Frauen über Jahrhunderte übernommen, was Familie und Gesellschaft am Leben erhält. Sie haben Kinder geboren und aufgezogen, ihnen Bildung vermittelt, auch die des Herzens. Selbstverständlich haben sie die allermeisten Pflichten im Haushalt erledigt, und waren die Kinder aus dem Haus, folgte oft die Betreuung der alten Eltern oder Schwiegereltern. Für Gotteslohn, denn wer verlangt schon Geld für etwas, das ein inneres Anliegen sein sollte, vor allem ein weibliches natürlich.

Es ist dieses Bild der selbstlosen Frau und Mutter, das in deutschen Köpfen sitzt wie ein Mitbewohner, der nicht weichen will. In kaum einem Land Mitteleuropas tun Frauen sich so schwer, für Familienpflichten den Partner stärker in die Pflicht zu nehmen, im Berufsleben gleiche Einkommen und Renten durchzusetzen, ohne dass Kinder und Alte auf der Strecke bleiben. 80 Prozent der Betreuungsarbeit für Angehörige leisten nach Angaben des Familienministeriums in Deutschland immer noch Frauen. Sie tun, was sie immer taten, also gebären, Herzen bilden, Vokabeln abfragen, Eltern pflegen. Der Teilzeitjob kommt bei den meisten noch obendrauf, oft auf ewig, denn neben unbezahlter Familienarbeit kann die rastlos schuftende Mutter ja nicht auch noch eine ordentliche Rente erwirtschaften, oder?

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Die SPD will das jetzt ändern und mit der "Familienarbeitszeit" Auswege aus einer Arbeitsteilung weisen, die zu viele Frauen in den Teufelskreis von Überlastung und Altersarmut führt. Wenn Eltern beide für ihre Kinder beruflich zurückstecken, gehören sie belohnt, so die Familienministerin: Gehen Mutter und Vater zwischen 26 und 36 Stunden pro Woche arbeiten, soll der Staat ihnen je 150 Euro im Monat zahlen, als Gerechtigkeitsprämie sozusagen. Männer, verbringt mehr Zeit mit euren Kindern, heißt die Botschaft. Und: Frauen, sorgt selber für eure Altersvorsorge.

Die Aufforderung ist im Grundsatz richtig, in der Sache aber ist das Vorhaben Wahlkampfgeklapper. Mit der Union ist die Familienarbeitszeit nicht zu machen, das ist seit Beginn der Legislaturperiode klar. Doch auch jenseits parteipolitischer Taktik: Die Chance, dass besser verdienende Eltern nur wegen 300 Euro darauf verzichten, dass der Vater in Vollzeit arbeitet und die Mutter in Teilzeit, ist klein. Geringverdiener wiederum können sich doppelte Teilzeit oft gar nicht leisten.

Interessanter ist der zweite Teil von Schwesigs Idee: dass auch Menschen, die alte Angehörige pflegen, vom Staat eine finanzielle Anerkennung bekommen sollen. 150 Euro Pflegegeld, das reicht zwar nicht zum Leben. Aber es wäre ein Signal gegen die stillschweigende Annahme, dass Pflege ein Ehrenamt ist, wie gemacht fürs weibliche Geschlecht. Wo engagierte Frauen bis zum Umfallen schuften, umsonst, ohne Unterstützung oder miserabel bezahlt, kann Pflege zur Qual werden, auch für Gepflegte. Das mögen sich alle vor Augen führen, die heute beruflich aufsteigen, nur weil sie anderen das Kümmern überlassen.

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