Fachkräftemangel:Ist die Blue Card die Lösung?

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Weitere Möglichkeiten sieht die Regierung bei Jugendlichen, die seltener die Schule abbrechen sollen. Die aktuelle Abbrecherquote von etwa sieben Prozent müsse halbiert werden, damit würden 300000 junge Menschen zusätzlich als Fachkräfte zur Verfügung stehen. 300000 Qualifizierte könnte es obendrein auch geben, wenn weniger Auszubildende ihre Lehre abbrechen - auch hier müsste die Quote halbiert werden. Ähnlich wie bei Kinderbetreuung und Rente mit 67 enthält das Konzept kaum neue Maßnahmen, um Fachkräfte zu gewinnen, sondern gibt Ziele vor und beziffert die Wirkung bestehender Programme. Insgesamt ließen sich so 3,8 Millionen zusätzliche Arbeitskräfte auftun.

Goethe-Universität in Frankfurt am Main

Die Bundesregierung sucht nach neuen Wegen, um den Mangel an Fachkräften auszugleichen.

(Foto: dpa)

Neu eingeführt werden soll ein "Jobmonitor". Mit dem Instrument will die Bundesregierung von Juli an einschätzen, wie hoch der Bedarf an Fachkräften in Zukunft ist. Hierzu sollen unter anderem Unternehmen zweimal im Jahr befragt werden.

Sehr vage bleibt in dem Konzeptentwurf dagegen das Kapitel zur Zuwanderung, die von vielen Experten als gute Möglichkeit angesehen wird, den Fachkräftemangel zu lindern. Grundsätzlich wird zwar eingestanden, dass Deutschland qualifizierte Zuwanderer benötigt. Auch dürften die Bemühungen um Frauen, Ältere und Arbeitslose nicht ausreichen, um das Verlangen der Unternehmen nach weiteren Fachleuten zu stillen. Eine Reform der Zuwanderungsregeln ist jedoch nicht geplant. Das Konzept verweist lediglich darauf, dass die Regierung die Entwicklung beobachten und die Vorschriften "prüfen" werde. Mit der auf EU-Ebene beschlossenen Blue Card für Akademiker werde es ohnehin eine weitere Zugangsmöglichkeit für Akademiker aus Nicht-EU-Ländern geben. Die Blue Card sieht ein europaweites Aufenthaltsrecht für Hochqualifizierte vor und soll noch in diesem Jahr in Deutschland eingeführt werden. Bislang ist jedoch nicht absehbar, dass damit die Zuwanderungsregeln deutlich gelockert werden.

Die Regeln zur Zuwanderung sind zwischen den Koalitionspartnern CDU, CSU und FDP seit Monaten umstritten. Während die FDP für niedrigere Einkommensgrenzen für Hochqualifizierte und ein Punktesystem eintritt, mit dem zusätzliche Zuwanderer gelockt werden sollen, lehnen dies die CSU und maßgebliche Teile der CDU ab. Dort will man zunächst abwarten, wie sich die Öffnung des Arbeitsmarktes für Osteuropäer seit dem 1. Mai auswirkt. Fachleute erwarten dadurch mindestens 100000 zusätzliche Zuwanderer pro Jahr. (Seite 4)

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