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Experte über den perfekten Bürostuhl:"Gehen Sie am besten einmal quer durchs Büro und zurück"

Welche Körperpartien werden durch schlechte Stühle und allzu langes Sitzen am meisten beansprucht?

Den Rücken hatte ich ja bereits genannt, das liegt einfach an der Zwangshaltung, für die unser Körper eigentlich nicht gedacht ist. Dazu kommt der Schulterbereich - gerade dann, wenn Tischhöhe und/oder Armablage des Stuhls nichts gut eingestellt sind. Das Hauptproblem sind die Folgen der Bewegungsarmut bei zu langem Sitzen: das geht vom erhöhten BMI bis zu Herz-Kreislauf-Beschwerden. Deswegen sagt man: Die beste Sitzhaltung ist immer die nächste. Und bevor Sie die einnehmen, gehen Sie am besten einmal quer durchs Büro und zurück.

In den neunziger Jahren, und in manchen Büros bis heute, gab es diesen Trend mit den farbenfrohen Gymnastikbällen. Sind die tatsächlich gesünder als ein normaler Stuhl?

Sie können die Muskulatur, etwa im Lendenwirbelbereich, durchaus etwas mehr aktivieren. Aber die Berufsgenossenschaften sind aus Sicherheitsaspekten natürlich wenig begeistert davon. Um den ganzen Tag darauf zu arbeiten, halte ich solche Bälle auch schlicht für zu unbequem und instabil. Zu einem verstellbaren Bürostuhl sind sie definitiv keine dauerhafte Alternative.

Wohin geht der Trend beim Arbeitsplatz der Zukunft?

Viele Firmen denken bereits darüber nach, ob für jeden Mitarbeiter überhaupt noch ein eigener Büroarbeitsplatz nötig ist oder nicht jedem Angestellten aufgabenspezifisch immer ein neuer Arbeitsplatz zugeordnet werden kann. Wer zum Beispiel viele Telefonate erledigen und zwischendurch Mails checken muss, kann das von einem bewegungsdynamischen Arbeitsplatz tun. Was grundsätzlich heute schon in vielen Firmen Einzug hält, sind Sitz-Steh-Kombinationen, die zumindest ein wenig zu Bewegung im Arbeitsalltag anregen.

Dynamischer Arbeitsplatz

Dynamische Büroarbeitsplätze sind zwar gesundheitsförderlich, in Deutschland aber noch eine Seltenheit.

(Foto: DGUV)

Sitz-Steh-Arbeitsplätze sind wegen der höhenverstellbaren Tische nicht billig, was vermutlich viele Arbeitgeber abschreckt.

Die Umrüstung bestehender Arbeitsplätze ist tatsächlich logistisch und finanziell nicht ganz einfach. Wenn man das aber beim Einkauf gleich bedenkt, unterscheiden sich die Kosten zwischen einem normalen und einem verstellbaren Tisch kaum noch. Und was Chefs auch sehen müssen: Die Gesundheit der Mitarbeiter sollte ihnen so eine Investition wert sein.

Zum Abschluss: Worauf sitzen Sie gerade?

Ich habe hier einen Sitz-Steh-Arbeitsplatz, sitze im Moment aber. Und ich habe auch zu Testzwecken ein modernes Ergometer unter dem Tisch. Das bringt laut verschiedener Studien physiologisch auf jeden Fall was, das Herz-Kreislauf-System wird angeregt, der Energieumsatz erhöht sich. Ich finde das Strampeln während der Arbeit aber noch ziemlich gewöhnungsbedürftig.

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© SZ.de/chwa/liv
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