Experiment an Schulen Besser lernen mit Duft

Grapefruit macht aktiv und aufgeschlossen, der Duft von Zitronen senkt Rechtschreibfehler: Ein Chemieprofessor parfümiert Klassenzimmer.

Schulen haben mit Duft bisher so viel zu tun wie Parfümerien mit Algorithmen. Dabei lernt es sich in einer wohlriechenden Umgebung offenbar besser, hat der Duftforscher Dietrich Wabner, Professor für Chemie an der TU München, herausgefunden. Er beduftet Schüler und Studenten, um deren Konzentration und Leistungsfähigkeit zu steigern. Fünf Schulen bundesweit nehmen an dem Pilotprojekt teil.

SZ: Sie werben also für parfümierte Klassenzimmer. . .

Wabner: Am Anfang waren Lehrer und Eltern skeptisch. Da habe ich denen einen Duftstreifen mit Grapefruitöl gegeben und plötzlich fingen alle an zu reden und zu lachen und merkten, wie Grapefruit aktiv und aufgeschlossen macht. Dann wollten alle mitmachen.

SZ: Und jetzt müssen Schüler morgens an Grapefruitöl schnuppern, damit der Unterricht lebendiger wird?

Wabner: Nein, einmal pro Stunde bläst eine Duftsäule neben der Tafel für wenige Minuten rein pflanzliche, ätherische Öle in den Raum. Die Schüler sind total begeistert; die würden am liebsten den ganzen Tag lang beduftet werden, aber das machen wir nicht, das würde sie ja überfordern. Kinder nehmen Düfte viel direkter und unverfälschter auf als Erwachsene.

SZ: Welchen Duft setzen Sie in den Schulen ein?

Wabner: Das ist eine Mischung aus Lavendel, Zitrone, Orange, Grapefruit und einer Spur Zedernholz. Haben wir gemeinsam mit den Schülern ausgewählt.

SZ: Und was bringt das?

Wabner: Unsere Studie läuft noch ein Jahr, aber wir haben jetzt die ersten Fragebögen ausgewertet. Lehrer berichten, die Kinder seien in den duftenden Klassenräumen wesentlich weniger aggressiv und viel aufmerksamer.

SZ: Lernen die Schüler auch besser?

Wabner: Bisherige Erfahrungen deuten darauf hin. Denn Gerüche werden im limbischen System des Gehirns aufgenommen, in dem auch Gefühle und Erinnerungen verarbeitet werden. Wenn ein Duft mit einer bestimmten Erinnerung, etwa Fachbegriffen, verknüpft wird, lassen sich diese wieder abrufen, sobald der Duft in der Luft liegt.

SZ: Dann wollen Ihre Studenten doch sicher auch beduftet werden.

Wabner: Ja, ich habe das schon mit meinen Studenten ausprobiert. Die sollten beim Lernen an Neroli schnuppern, das ist die Essenz aus Orangenblüten; Neroli wirkt stark antidepressiv und stimulierend. Wir haben dann eine Prüfung nachgestellt, die Studenten haben zu Beginn wieder daran gerochen - und hatten überraschend gute Ergebnisse. Ich rate meinen Studenten daher, sie sollen weiterhin mit Neroli lernen und sich bei der Klausur ein duftgetränktes Taschentuch mitnehmen und daran schnuppern.

SZ: Welche Düfte sind noch hilfreich?

Wabner: Der Duft von Zitronen etwa senkt Rechtschreibfehler um die Hälfte, haben Studien in den USA gezeigt. Ich empfehle daher allen meinen Doktoranden, mit Zitronenduft zu arbeiten, schließlich muss ich später ja die Fehler korrigieren.

SZ: Bei welchem Duft können Sie selbst besonders gut arbeiten?

Wabner: Zitrone - die macht munter. Ich mag auch Neroli, aber davon werde ich zu schnell high.

Interview: Marion Schmidt