Existenzgründer im Gespräch (1) Ein Shirt für alle Fälle

Matthias Spieß gründete sein erstes eigenes Unternehmen schon im Studium. Viele seiner Projekte floppten - doch dann landete er mit Spreadshirt den großen Wurf. Aus Fehlern hat er gelernt.

Interview: Maria Holzmüller

Matthias Spieß, 41, hat schon im Studium sein erstes kleines Unternehmen geführt. Nach mehreren anderen Projekten gründete er 2001 zusammen mit dem Studenten Lukasz Gadowski Spreadshirt.de, eine Plattform, über die Privatpersonen und Unternehmen einen Shop eröffnen und selbstgestaltete T-Shirts und Pullover verkaufen können. Inzwischen verwenden mehr als 500.000 Shop-Betreiber den Service.

Matthias Spieß gründete 2001 mit einem Partner das Unternehmen Spreadshirt. Inzwischen sind sie auf dem Markt etabliert.

(Foto: Privat)

sueddeutsche.de: Was hat Sie dazu bewogen, Ihr eigenes Unternehmen zu gründen?

Matthias Spieß: Ich hatte immer ein großes Interesse für das Internet und seine Möglichkeiten. Schon im Studium war ich in mehrere kleine Projekten involviert, die aber alle nach ungefähr einem halben Jahr wieder im Sande verliefen. Später war ich an einem Venture-Capital-finanzierten Start-up beteiligt, das eine Software für E-Mail-Marketing entwickelte. Damals war das eine heiße Sache. 2001 mussten wir jedoch Zahlungsunfähigkeit anmelden. Dann habe ich Lukasz getroffen, der die Idee für Spreadshirt hatte. Zur gleichen Zeit war ich selbst auf der Suche nach einem Dienstleister, der T-Shirts nach meinen Wünschen bedruckt - und fand nur Anbieter in den USA. Also bin ich sofort eingestiegen.

sueddeutsche.de: Das klingt einfach, aber wie haben Sie sich finanziert?

Spieß: 2001 lief im Internetsektor gar nichts mehr, da war nicht viel zu holen. Wir brauchten aber am Anfang auch nicht so viel Kapital. Wir haben sofort Umsätze generiert und konnten bald auch schon Angestellte bezahlen.

sueddeutsche.de: Kamen irgendwann Investoren dazu?

Spieß: 2006 haben wir uns Venture-Capital-Unternehmen in Großbritannien und in den USA gesucht. Bis dahin sind wir stetig gewachsen und haben unser Angebot erweitert. Durch mehr Kapital wollten wir die Globalisierung unseres Unternehmens voranbringen. Innerhalb von nur einem halben Jahr haben wir dann auch Investoren gefunden.

sueddeutsche.de: Was waren die größten Schwierigkeiten in Ihrem bisherigen Gründerleben?

Spieß: Bei meinen ersten Projekten fehlte einfach das wirtschaftliche Wissen. Alle Beteiligten waren Ingenieure, es waren keine BWLer eingebunden. Ich habe im Studium auch nie Rat bei den Wirtschaftswissenschaftlern geholt, da hatte ich Scheu - und auch wenig Interesse. Heute weiß ich, dass man als Gründer zwar fachlich motiviert sein muss, aber eben auch eine gute unternehmerische Denke braucht. Das haben wir bei der Gründung von Spreadshirt berücksichtigt. Dort kamen die Probleme eher durch unsere schnelle Expansion. Wir waren international aufgestellt, wuchsen als Team und wollten unser Wachstum weiter beschleunigen. Aber es wurde immer schwieriger, denn als Team waren wir durch die Größe und die damit einhergehenden neuen Strukturen nicht mehr so flexibel Wir hatten die Dynamik eines Start-ups verloren und konnten nicht mehr so leicht reagieren wie am Anfang. Unsere Kostenbasis schnellte nach oben, aber das Wachstum kam nicht wie erwartet.

Bloß nichts falsch machen

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