Süddeutsche Zeitung

European Business School:Hochschulpräsident Jahns festgenommen

Er soll die Manager-Elite von morgen ausbilden. Als Vorbild dient der Präsident der European Business School, Christopher Jahns, aber wohl kaum. Er soll öffentliche Gelder in private Firmen geschleust haben. Jetzt wurde er festgenommen.

Die European Business School (EBS) in Wiesbaden bildet die Manager-Elite von morgen aus. Ob der Präsident der privaten Hochschule seinen Studenten als Vorbild dienen kann, ist derzeit jedoch mehr als fraglich. Wegen des dringenden Verdachts der Untreue ist Christopher Jahns am Montag festgenommen worden, wie der Wiesbadener Oberstaatsanwalt Hartmut Ferse bestätigte. Beamte des Landeskriminalamts führten zudem Hausdurchsuchungen in mehreren Gebäuden der EBS in Oestrich-Winkel und Wiesbaden, sowie in Jahns privater Wohnung in Frankfurt durch.

Die Vorwürfe gegen Jahns sind nicht neu. Bereits seit Monaten steht er unter Verdacht, seine Interessen als Hochschulpräsident mit denen als privater Geschäftsmann zu vermengen. So ist Jahns als Geschäftsmann an der Beratungsgruppe Brain Net beteiligt - ein Unternehmensbund, mit dem auch die EBS immer wieder Verträge abschließt.

Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, hatte Jahns den Vorwurf, er schleuse öffentliches Geld in seine privaten Firmen "absolut unhaltbar" genannt. Es fließe viel mehr Geld von Brain Net in die EBS als umgekehrt. Dennoch nahm die Staatsanwaltschaft bereits im Februar erste Ermittlungen auf.

180.000 Euro seien zu Lasten der Hochschule in Jahns private Firmen geflossen, so der derzeitige Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Ob es sich am Ende um eine noch höhere Summe handelt, dazu sollen die Hausdurchsuchungen weitere Erkenntnisse bringen. Ausgewertet werden mehrere Rechner und zahlreiche Akten.

Jahns, dem eine mehrjährige Haftstrafe droht, wurde in Frankfurt bereits einem Haftrichter vorgeführt. Dieser hob den Haftbefehl gegen Auflagen wieder auf.

Bereits seit Mitte März lässt Jahns sein Präsidentenamt an der EBS ruhen. Dabei soll es nicht bleiben. Am Dienstagabend will sich der Senat der EBS mit einem Antrag auf Jahns endgültige Abwahl beschäftigen.

Eine Stellungnahme der privaten Hochschule zu den Vorfällen gibt es bislang nicht. Oberstaatsanwalt Ferse betonte jedoch, dass die Business School sofort zur Zusammenarbeit mit dem LKA bereit war.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.1081260
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
sueddeutsche.de/holz/joku
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.