European Business School EBS: "Universität in Gründung"

Auch ohne die strafrechtlichen Ermittlungen sind die Subventionen ein Politikum. Denn während die Landesregierung die private Elite-Hochschule stützt, hat sie ihren staatlichen Unis Kürzungen verordnet - in einem ähnlich hohen Umfang, wie sie die EBS subventioniert. Die EBS, 1971 gegründet, hatte schon immer eine gute Lobby, nicht nur bei den Managern, die in großer Zahl als Förderer und Stiftungsmitglieder auftauchen.

Christopher Jahns, Präsident der privaten European Business School (EBS) in Wiesbaden: Gegen den 41-jährigen Professor besteht der dringende Tatverdacht der Untreue.

(Foto: dpa)

In den neunziger Jahren war der frühere CDU-Schatzmeister und berüchtigte Finanzjongleur Walther Leisler Kiep Präsident der privaten Hochschule. Die EBS hat deshalb heute ein "Kiep Center". Ob auch Christopher Jahns noch solche Ehrungen erwarten kann, ist fraglich. Viele Professoren bangen um den Ruf der EBS, allerdings hat Jahns auch loyale Weggefährten. Die Staatsanwaltschaft schließt nicht aus, dass sie die Ermittlungen ausweiten muss. Eine Anzeige gegen den Aufsichtsrat der EBS liegt bereits vor. Jahns ist beteiligt an dem Schweizer Beratungsunternehmen BrainNet, das offenbar eng mit der EBS verbunden ist. Anfang des Jahres hatte der Spiegel die Verflechtungen und eine möglicherweise strafbare Vermischung von EBS-Betrieb und privaten Geschäften publik gemacht. Seitdem herrscht Unruhe an der Hochschule, die sich mit dem Titel Universität i.G. schmückt - Universität "in Gründung". Es fehlt der EBS, um endlich Uni heißen zu dürfen, nur noch die Jura-Fakultät, die im Aufbau ist und dann auch Wiesbaden den begehrten Titel einer Universitätsstadt eintragen soll.

Mit 85 Professoren zählt die EBS bereits jetzt zu den Großen im Fach Betriebswirtschaftslehre. Auf dem Campus im Rheingau streben etwa 1200 Studenten nach dem EBS-Abschluss, der einer Karriere bisher nicht unbedingt geschadet hat. Ohne Exzesse kommt die Elite aber nicht aus. Im Herbst machte die EBS Schlagzeilen, weil ein paar Studenten nach einem Saufgelage ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten.