Equal Pay Day Wenige Stellenwechsel

Frauen pokern seltener, um ein besseres Gehalt zu bekommen. Männer wechseln häufiger ihre Stelle, um am Monatsende mehr Geld auf dem Konto zu haben, so eine Studie des Bundesfamilienministeriums zur Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern. Dies liegt aber keineswegs an mangelnder Flexibilität oder Mutlosigkeit der Frauen - vielmehr sind diese froh, eine Stelle gefunden zu haben, bei der sie Beruf und Familie miteinander vereinbaren können. Die wollen sie nicht so schnell aufgeben, weil sie mit der Organisation ihres Familienbetriebes nicht wieder von vorne beginnen wollen.

Wille zum Erfolg: Männer wechseln häufiger die Stelle als Frauen, um beruflich voranzukommen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Ungerechte Beurteilungskriterien

Im Öffentlichen Dienst, beispielsweise in Bayern, würdigen die Vorgesetzten in den Personalbeurteilungen das ehrenamtliche Engagement oder dienstlich veranlasste Nebentätigkeiten ihrer Beschäftigten. Wer sich also in seiner Freizeit vorbildhaft im Verein oder der Gemeinde einbringt, sammelt dafür dicke Pluspunkte in der Rubrik "sonstige Fähigkeiten". Die Vorsitzende der Frauen-Union, Angelika Niebler (CSU), hat nun Bayerns Staatsregierung aufgefordert, auch die besondere Leistungsfähigkeit von Frauen mit Doppelbelastungen in diesen Beurteilungen zu berücksichtigen, denn: "Frauen, die neben ihrer Erwerbstätigkeit eigene Kinder erziehen, sind häufig derart ausgelastet, dass ihnen die Zeit fehlt, zusätzlich ehrenamtlich aktiv zu sein oder Zusatzaufgaben in der Behörde wahrzunehmen."

Berufspausen

Großen Einfluss auf die Höhe der Gehaltsunterschiede haben die beruflichen Unterbrechungen, die Frauen einlegen, wenn sie in die sogenannte Familienphase eintreten, also Kinder bekommen und großziehen. Sie erreichen deshalb keine so lange Betriebszugehörigkeit wie Männer, der ein oder andere Bonus geht flöten. Das Bundesfamilienministerium weist in seiner Entgeltstudie nach, dass Frauen nach einer Babypause häufig nicht auf der gleichen Gehaltsstufe wie früher beginnen. Sie werden zurückgestuft oder müssen sich mit Teilzeitjobs und freiberuflichen Tätigkeiten arrangieren. Forscher Bispinck: "Frauen in Teilzeit wird unterstellt, dass sie weniger leisten."

Geringe Wertschätzung

Typische Männerjobs werden auch deshalb besser bezahlt als frauentypische Berufe, weil bei ihnen besondere Belastungen anders gewichtet werden - im wahrsten Sinne des Wortes. Bei Müllmännern etwa ist das Heben schwerer Lasten ein Kriterium für die Arbeitsplatzbewertung, es schlägt sich positiv im Gehalt nieder. "Bei Pflegeberufen, die vor allen Dingen von Frauen ausgeübt werden, ist das jedoch nicht der Fall, obwohl zur körperlichen Belastung oft auch noch die psychische hinzukommt", bemängelte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder erst vor Kurzem am 102. Internationalen Frauentag. Sie fordert, körperliche Belastungen auch in typischen Frauenberufen bei der Bezahlung zu berücksichtigen und andere Maßstäbe anzulegen.

Wohnort im Süden

Frauen, die im Süden Deutschlands wohnen, haben noch mehr Pech. Hier ist die Ungleichheit bei den Entgelten am größten - Männer verdienen in Baden-Württemberg 27 Prozent, in Bayern 26, im Saarland 25 Prozent mehr als Frauen. Diese Daten beruhen auf der Verdienststrukturerhebung des Statistischen Bundesamtes, eine Erklärung für dieses Nord-Süd-Phänomen gibt es nicht.

Wohl aber für das wesentlich geringere Lohngefälle zwischen Männern und Frauen im Osten Deutschlands. Die Werte liegen zwischen nur vier Prozent in Mecklenburg-Vorpommern und neun Prozent in Sachsen. "Frauen arbeiten hier häufiger Vollzeit und seltener in Minijobs, unterbrechen ihre Berufstätigkeit kaum für längere Zeit und sind häufiger in Führungspositionen", sagt Christina Klenner vom WSI. Und noch einen ganz simplen Grund gibt es: Der Gehaltsunterschied kann gar nicht so groß ausfallen - weil die Männer im Osten durchschnittlich sowieso weniger verdienen als ihre westdeutschen Kollegen. Da haben dann die Männer einfach mal Pech gehabt.

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