Entspannung am Arbeitsplatz Sind optimierte Pausen wirklich optimal?

Nun geht es bei diesen neuen Pausen aber nicht um irgendwelche Pausen. Es sind Angebote, die Körper, Geist und Seele des Mitarbeiters maximal guttun sollen. (Und ein wenig sollen sie auch den Firmen guttun, gesundes "Humankapital" ist ja lukratives "Humankapital"). Natürlich ist es gut, dass es solche Angebote gibt. Es beschleicht einen aber auch der Verdacht, dass in unserer Selbstoptimierer-Gesellschaft jetzt auch noch die Pause optimiert werden soll.

Da fragt man sich: Ist eine optimierte Pause denn so optimal? Und: Wieso fällt es uns überhaupt so schwer, Pause zu machen?

Karriere-Tipps im Praxistest Karrieretipps im Praxistest: Power Napping
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Karrieretipps im Praxistest: Power Napping

"So arbeiten Sie produktiver, so schaffen Sie mehr ..." Karriere-Ratgeber gibt es viele, doch was taugen die vielen Tipps wirklich? Der Praxis-Test, diese Woche zum Thema Mittagsschlaf.   Kolumne von Sarah Schmidt

"Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, die sich über Arbeit in getaner Zeit definiert. Eine Output-Gesellschaft, die zu wenig über den Input nachdenkt", sagt Louis Lewitan, Psychologe und Management-Berater aus München. Dabei sei Leistung ohne Pause nicht möglich, man könne ja auch nicht Auto fahren, ohne zu tanken. "Wir begreifen nicht, wie der Mensch tickt, aber wir glauben zu wissen, wie er funktioniert." Acht Stunden Arbeit, 30 Minuten Pause, dazwischen ein paar Kniebeugen, maximaler Output. Der Mensch sei aber keine Funktionseinheit.

In Augsburg, sagt Lewitan, gebe es eine Sonnenuhr der Fugger mit der Aufschrift: "Nutze deine Zeit". Die Menschen verstehen das heute so: Zeit ist Geld und Pause Zeitverschwendung.

Wer im Büro keine Pausen macht, wird krank. Unterbrechungen müssen sein - etwa am Kickertisch.

(Foto: Matthias Ferdinand Döring)

Überhaupt, die Zeit: Es ist auch unser Umgang mit ihr, der unsere Pausenprobleme verursacht. Es gab auch Zeiten ohne sie, sagt Karlheinz Geißler. Er ist Zeitforscher, leitet ein Institut für Zeitberatung in München und lebt seit 30 Jahren ohne Uhr. Geißler sagt: "Alles in der Natur ist rhythmisch organisiert, ein Wechsel von Aktivität und Passivität, alles braucht Pausen, auch der Mensch."

Smartphones haben die Pause anstrengend gemacht

Bis zur Industrialisierung, schreibt er in seinem Buch "Time is honey", lebte der Mensch nach den Rhythmen der Natur, war wach, wenn es hell war, schlief, wenn es dunkel wurde. Dann kam die Uhr, die Zeit wurde vertaktet, sollte effizient genutzt werden, die Glühbirne machte auch die Nacht zum Tag. Mit Internet und Smartphone entwickelten sich die Menschen zu Zeit-Multitaskern: immer erreichbar, flexibel, jede Minute wird genutzt. Ziehen Sie auch immer gleich das Handy aus der Tasche, wenn Sie irgendwo warten müssen?

"Computer, Internet und Smartphones kennen keine Pause", sagt Geißler. "Sie müssen die Pause selbst machen, also aktiv gegen die Aufforderung der Geräte arbeiten. Das ist anstrengend." Die Gesellschaft habe nicht nur den Sendeschluss abgeschafft, sondern Anfang und Ende an sich. Und der Mensch hat vergessen, dass er eigentlich ein Pausenwesen ist.