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Entgelttransparenzgesetz:Unternehmen geben sich gelassen

Das Gesetz hat nach Meinung von Harder und Behrendt noch weitere Tücken. "Zur Berechnung der Vergleichsgruppe wird nicht etwa der Durchschnittswert genommen, sondern der Median", sagt Behrendt, also der statistische Mittelwert. "Der Median ist aber anerkanntermaßen ungeeignet, um eine Ungleichbehandlung aufzuzeigen." Die Juristen fordern deshalb bereits eine Verbesserung des Gesetzes. "Neben der notwendigen Heranziehung des Durchschnittswerts statt des Medians muss das Gesetz auch weiter konkretisiert werden", sagt Behrendt. "Der Gesetzgeber muss deutlich machen, inwiefern Gehaltsbestandteile wie etwa ein Dienstwagen mitberücksichtigt werden. Gehälter unterscheiden sich zudem auch durch den regionalen Aspekt. Auch dies muss geklärt werden."

Um sich vor Auskunftsersuchen von Mitarbeitern zu wappnen, raten Juristen den Firmen zu einer guten Vorbereitung. "Eine Bestandsanalyse und eine Risikoeinschätzung im Hinblick auf die Regelungen des Gesetzes ist unerlässlich", sagt Silvia Lang von der Kanzlei Hogan Lovells. "Zudem sollten Stellenbeschreibungen und Entgeltsysteme geprüft werden." Auch unter Image-Gesichtspunkten sei dies sinnvoll, sagt Jurist Harder. "Wer nachweisen kann, dass keine Gehälterdiskriminierung vorliegt, kann bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter punkten."

Trotz der mahnenden Worten der Juristen, die durch das neue Gesetz natürlich auch ein lohnendes Geschäft wittern, geben sich die meisten Unternehmen nach außen gelassen. Laut einer aktuellen Umfrage des Personaldienstleisters Lurse bestätigen nur 15 Prozent der befragten Unternehmen, dass sie eine Entgeltlücke bei sich sehen und folgerichtig Handlungsbedarf besteht. Gleichwohl sind 43 Prozent schon tiefer ins Thema eingestiegen. Vor allem große Unternehmen haben bereits erste Maßnahmen umgesetzt.

Fragt man allerdings direkt nach, bestreiten die Firmen eine unfaire Entlohnung. Die Schnellimbisskette McDonald's weist beispielsweise auf den mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten geschlossenen Tarifvertrag inklusive der einzelnen Tarifklassen hin. "Wir überprüfen regelmäßig die Gehaltsstrukturen", sagt ein Sprecher. Dies geschehe einerseits basierend auf internen Kriterien, andererseits auf marktüblichen Standards. Das weltweit agierende Umwelttechnikunternehmen Schunk teilt klipp und klar mit: "Bei uns werden Frauen und Männer bei gleicher oder gleichwertiger Tätigkeit auch gleich bezahlt. Das liegt daran, dass wir als tarifgebundenes Unternehmen nach dem Entgeltrahmenabkommen zwischen IG Metall und dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall bezahlen." Eine IG-Metall-Sprecherin weist aber darauf hin, dass es auch in Unternehmen mit Tarifvertrag eine Entgeltlücke geben kann.

Der Pharmakonzern Bayer kann bei der Frage nach einer möglichen Lohnungleichheit auf die Studie "Lohngleichheit im Betrieb" des Bundesfamilienministeriums hinweisen, für die auch die Gehälter von 2400 Bayer-Mitarbeitern analysiert wurden. "Im Ergebnis wurde bei uns eine bereinigte Entgeltlücke von minus 1,7 Prozent festgestellt", erklärt ein Sprecher. "Wir haben bei Bayer keine Anhaltspunkte für die Existenz einer signifikanten oder gar systematischen Entgeltlücke."

Also alles gut? Die Anfragen von Mitarbeitern, die von Januar an in den Unternehmen eingehen, werden es zeigen.

© SZ vom 02.12.2017/mkoh
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