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Englisch für die Jobsuche:Was macht eigentlich ein Financial Analyst?

Financial Analysts arbeiten in Controlling- und Finanzabteilungen. Sie stellen Budgets auf und analysieren Kosten.

Sylvia Englert

(SZ vom 11.3.2000) Die Bezeichnung "Financial Analyst" klingt nach der mythischen Aura der Börse und der internationalen Finanzmärkte. Leicht könnte man Financial Analysts (kurz: "FA's") mit den so genannten Analysten verwechseln, die den Anlegern Tipps geben, welche Aktien sie gerade kaufen sollten - doch die beiden Berufe haben nicht viel miteinander zu tun.

Fette Zahlen

Am häufigsten finden sie sich bei den deutschen Ablegern amerikanischer Firmen in den Controlling- und Finanzabteilungen - und zwar auf den unterschiedlichsten Hierarchieebenen. "Sie sind das Rückgrat einer guten Finanzabteilung und kümmern sich um das Tagesgeschäft", erklärt Personalberater Hans Lüttich, der auf das Recruiting von FA's spezialisiert ist, "in deutschen Unternehmen werden FA's zunehmend gesucht: Man schreibt nicht mehr so gerne Buchhalter oder Kostenrechner in die Anzeige, das klingt so verstaubt. Außerdem ist der Beruf heute sehr viel komplexer als früher, vieles wird heute über IT-Systeme abgewickelt."

Viele Financial Analysts haben die Aufgabe, Monats- und Jahresbudgets auszutüfteln. Sie analysieren die Kosten und bereiten sie als Entscheidungshilfe für das Topmanagement graphisch auf. Zuständig sind sie meist auch für Berichte an die Muttergesellschaft, die aus dem Ausland einen scharfen Blick auf den Sprößling hält und keine Klagen hören, sondern fette schwarze Zahlen sehen will.

Alles im Blick

Doch ein Analyst braucht mehr als ein Händchen für Zahlen, zumindest bei Buena Vista Home Entertainment, einer Disney-Tochter, die sich um den Vertrieb von Videocassetten kümmert. "Ein Financial Analyst braucht auch Kontaktfreudigkeit: Er muss auf andere Leute zugehen können und im Haus nach Informationen suchen. Im Idealfall hat er in jeder Abteilung seine Fühler", sagt Katharina Hölzl, Finance Manager bei Buena Vista und einst selbst Financial Analystin, "man darf nicht darauf warten, dass einem die Informationen gebracht werden, denn das geschieht oft nicht." In ihrer Abteilung sind die Financial Analysts die einzigen, die den ganzen Überblick über alle Ausgaben haben, und die ersten, die merken, wenn die Kosten aus dem Ruder laufen. Finden sie irgendwo Alarmierendes, ist es ihre Aufgabe, nach den Ursachen zu forschen und nachzufragen, ob einfach die Schätzung verkehrt war oder ob irgendetwas nicht stimmt und das Management gewarnt werden muss.

Wer seinen Job gut macht, kann in die Strategieabteilung oder zum Controller aufsteigen. "Hochschulabsolventen würden sich am liebsten auf Controllerjobs bewerben, aber dafür haben sie einfach noch nicht genug Erfahrung", erklärt Hans Lüttich, "die können sie als Financial Analyst sammeln. Oft schreiben Unternehmen daher als Trick Junior Controller in die Anzeigen, obwohl sie nur einen Financial-Analyst-Job anzubieten haben."

Job mit Zukunft

Doch nicht nur als klassische "Erbsenzähler" machen Financial Analysts Karriere. In manchen Unternehmen, speziell in Beratungsfirmen, helfen sie als eine Art Junior Consultant, Projekte durchzuziehen. Oder sie betätigen sich noch stärker als Finanz-Spürhunde - daher manchmal das Wort "Research" vor ihrer Berufsbezeichnung. Ihre Aufgabe: Auszuforschen, wie solide eine Firma oder eine ganze Branche finanziell dasteht. Sie bereiten Fusionen vor, indem sie feststellen, welche Unternehmen lohnende Kaufobjekte wären. "Sie gehen auch schon mal zu Shareholder Meetings, um herauszufinden, ob die Firma ein Kaufs- oder Verkaufskandidat ist", sagt Maximilian Koch, Teilhaber der internationalen Unternehmensberatung Stern Stewart, "Unternehmen, die viel aufkaufen, haben oft ganze Stäbe von Financial Analysts." Keine Frage, in der Zeit des Fusionsfiebers ein Job mit Zukunft. Besonders Investmentbanken nehmen jede qualifizierte Bewerbung dankbar entgegen.

Wer Financial Analyst werden will, der sollte systematisch und präzise arbeiten können, Teamfähigkeit und am besten noch SAP-Kenntnisse mitbringen. Ideal ist ein Betriebswirtschaftsstudium mit Schwerpunkt Rechnungswesen, aber auch Industriekaufleute mit Zusatzausbildung Bilanzbuchhalter haben eine Chance. In Mittelstand und Handel sind 50.000 bis 70.000 Mark im Jahr üblich, aber in der Industrie kann ein FA je nach Berufserfahrung zwischen 80.000 und 120.000 Mark erwarten.

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