Englisch für die Jobsuche Was macht eigentlich ein Application Engineer?

Ein Application Engineer ist ein Anwendungsingenieur. Er zählt zu den gefragten Experten der IT-Branche. Ein Anfänger kann mit einem Einstiegsgehalt von 60 bis 70.000 Mark rechnen.

Von Sylvia Englert

(SZ vom 18.1.2000) In der guten, alten Zeit, als die Maschinen noch einfach und die technischen Prozesse umkompliziert waren, gab es keine Application Engineers. Es gab sie noch nicht einmal in ihrer deutschen Übersetzung als "Anwendungsingenieure". Doch diese Zeiten, als es reichte, bei Problemen einen Servicetechniker loszuschicken, sind in vielen Firmen vorbei - und ein neuer Beruf macht sich in der Hightech-Branche breit. "Der Application Engineer ist die technische Schnittstelle zum Kunden", erklärt Hans Adlkofer, der bei der Firma Infineon eine über den ganzen Globus verstreute Truppe von 30 Application Engineers aus dem Produktbereich Chipkarten leitet.

Allround-Aufgabe

Schon bei der Entwicklung neuer Produkte hat der "AE" ein Wörtchen mitzureden. Dann macht er sich gemeinsam mit einem Vertriebsmitarbeiter daran, die Produkte auch zu verkaufen - der eine kümmert sich um die Preisabsprachen, der andere präsentiert und bespricht die Technik. Während allerdings die Aufgabe des Vertriebs mit dem Vertragsabschluss weitgehend beendet ist, beginnt für den Application Engineer die Arbeit nun erst richtig. "Er begleitet das Projekt von A bis Z, bis der Prototyp fertig ist und das Gerät - zum Beispiel ein neues Handy mit unserem Chip - beim Kunden in die Fertigung geht", erläutert Adlkofer. Der AE hilft, die Maschine oder Software beim Kunden zum Laufen zu bringen, schult die Mitarbeiter darin, sie zu bedienen und unterstützt sie bei technischen Problemen. Eine Allround-Aufgabe, für die vor allem kommunikative Elektrotechnik-Ingenieure und Physiker mit sicherem Auftreten und einem Händchen für Problemlösungen gesucht werden.

Am liebsten sind den Firmen Ingenieure, die eigentlich genausogut gleich für den Kunden arbeiten könnten: "Unsere Produkte sind zwar Software, aber sie werden von Leuten gekauft, die damit Mikrochips und Elektronik entwerfen. Der AE muss die Sprache des Kunden sprechen und zum Beispiel wissen, wie ein Pentium-Chip hergestellt wird", sagt Klaus Fiedler, Technischer Manager der Firma Cadence. Diese Kunden zahlen eine Wartungsgebühr und können dafür sicher sein, dass ihr Hilfeschrei nicht ungehört verhallt, wenn das System abstürzt oder sie mit einem Programm nicht zurechtkommen: Wenig später wird ein Application Engineer am Telefon sein oder gleich bei ihnen vorbeischauen.

Gesuchte Fachleute

Viele der AEs bei Cadence haben im Unternehmen klein angefangen, etwa bei der Hotline-Betreuung. Wenn ihr Auftreten dann sicherer geworden ist und sie die Produkte der Firma in- und auswendig kennen, dürfen sie zum Kunden. "Aber wenn der Deal platzt, wird der Vertriebsmann gefeuert und der AE ist immer noch da", sagt Fiedler genüsslich. Denn gute Application Engineers sind rar und begehrt. Wer einen von ihnen einstellen will, muss Ausdauer mitbringen. "Dreimal lief unsere Stellenanzeige in mehreren großen Tageszeitungen. Und raten Sie mal, wieviele Bewerbungen wir bekommen haben? Sieben!", stöhnt Wolfgang Besenböck, der als Customer Support Manager der Firma ETEC ein kleines Heer von AEs betreut. Deren Hauptbeschäftigung ist das Reisen, denn sie kümmern sich um Maschinen zur Herstellung von Leiterplatten, die man nicht einfach in einen Karton packen und einschicken kann, wenn es irgendwo hakt. "Bei so komplizierten Maschinen sind die Probleme nicht leicht zu erkennen. Oft geht es um Abweichungen im Mikrometer-Bereich", erklärt Besenböck, "solche Fälle zu lösen kann man schwer an der Uni lernen. Das ist eine Erfahrungssache."

Gute Aufstiegsmöglichkeiten

Weiterbildung ein Leben lang: Für den Application Engineer ist das zeitraubende Realität. Wenn er nicht reist, arbeitet er sich in neue Produkte seiner Firma ein, hört sich um, recherchiert im Internet und besucht Kongresse, um herauszufinden, was die Konkurrenz so macht. Da ständig Neues auf den Markt kommt, ist das eine Sisyphusarbeit.

Aber sie wird gut bezahlt: Ein Anfänger kann mit einem Einstiegsgehalt von 60- bis 70.000 Mark rechnen, nach ein paar Jahren sind 120.000 Mark üblich und bis zu 200.000 möglich. Aufstiegsmöglichkeiten gibt es ebenfalls reichlich: Von der Hotline kann der hoffnungsvolle junge AE sich bis ins Management hocharbeiten.