Englisch für die Jobsuche Was ist eigentlich ein Researcher?

Hinter diesem Begriff verbergen sich eigentlich zwei Berufe. Die einen werben als Headhunter neue Mitarbeiter an, die anderen recherchieren für Strategieberatungen Daten und Fakten. Der Markt ist leergefegt, Einstiegschancen - für Leute mit Biss - sind glänzend. Eine Ausbildung gibt es nicht, Einstiegsgehalt: 60.000 Mark.

Von Sylvia Englert

(SZ vom 28.10.2000) Anrufe von Headhunting-Agenturen gehören zum Arbeitsalltag von IT-Profis und Finanzexperten - vier bis fünf am Tag erhalten die gesuchtesten Spezialisten. Die Person am anderen Ende der Leitung führt meist die Berufsbezeichnung "Researcher". Hinter diesem Begriff verbergen sich allerdings ganz verschiedene Aufgaben. In Personalberatungen erledigen Researcher die mühsame Suche nach willigen Kandidaten, das Vorstellungsgespräch führt dann der Chef. In Strategieberatungen dagegen recherchieren sie die Daten und Fakten, die die Consultants für ihre Arbeit brauchen. "Der Researcher ist die rechte und linke Hand des Beraters, er ist sehr nah am Markt dran und weiß, welche Leute für eine Position in Frage kommen", erklärt Gisela Wirth, die mehrere Jahre lang als Researcher gearbeitet hat und heute selbst Personalberaterin für den Finanzbereich bei Kienbaum ist. "Wo gibt es beispielsweise Unruhe in einem Unternehmen, wo kann man vielleicht ein ganzes Team rüberziehen?" Auf Datenbanken verlässt sie sich schon lange nicht mehr, gerade im Bankbereich ist die Fluktuation viel zu hoch. Da kommt es für sie darauf an, ihre Kontakte gut zu pflegen. Richtige Schnäppchen macht sie häufig bei Fusionen, wenn verunsicherte Mitarbeiter rechtzeitig das Weite suchen wollen.

Personalwerbung per Telefon

Die Hälfte ihrer Arbeitszeit verbringt sie am Telefon. Für die Jagd auf Bankmitarbeiter sind die besten Zeiten früh morgens oder abends, "bloß nicht zu Börsenzeiten". Trotz der vielen Headhunter-Anrufe sind die meisten zumindest bereit zuzuhören, fühlen sich nicht selten sogar geschmeichelt: "Sie wissen, dass wir die Glücksboten sind und Karrierechancen vermitteln", meint Wirth. Doch für die Glücksboten selbst steckt viel Arbeit hinter jedem rekrutierten Könner: "Wir erarbeiten zusammen mit dem Kunden ein Profil, recherchieren unter anderem in einer internen Datenbank und im Internet und filtern daraus den Kandidatenkreis, den wir direkt ansprechen", sagt die 30-jährige Christina Simon, Researcher bei der Personalberatung a_priori und seit kurzem Juniorberaterin. Sie selbst wurde auf einer Weihnachtsfeier für den Job gewonnen und stieg gleich nach ihrem Pädagogik-Studium in die Welt des Headhuntings ein. "Manchmal muss man nur drei Leute ansprechen, bis die Stelle besetzt werden kann, gelegentlich aber auch 80 bis 90."

Auch für Researcher in der Strategieberatung sind Datenbanken und Telefon das tägliche Handwerkszeug. Bei Barbara Semlitsch kommen Anfragen von Beratern aus Niederlassungen in ganz Europa an, sie verteilt diese dann an ihre für das entsprechende Thema zuständigen Leute. "Die Fragen gehen vom Nylonfasermarkt in Europa bis hin zu einer simplen Anfrage, dass ein Kollege ein Ranking der größten deutschen Medienagenturen möchte." Wird dem Mitarbeiter ein neuer Auftrag zugemailt, prüft er anhand einer Checkliste erst einmal, welche Quellen es zum Thema gibt, von Datenbanken bis zu CD-ROMs und dem Internet. Sind diese Möglichkeiten ausgeschöpft, dann nutzt er kostenpflichtige Informationsquellen und greift zum Telefon, um seine Kontakte zu Experten zu nutzen. Dabei hängt ihm immer die Deadline im Nacken, nur selten kann er um fünf Uhr den Hörer fallen lassen.

Job für Hartnäckige

Hartnäckig und redegewandt muss der ideale Researcher sein, und natürlich schnell, damit möglichst bald Ergebnisse auf dem Tisch liegen. "In erster Linie ist hohe Belastbarkeit wichtig", meint Semlitsch. "In Vorstellungsgesprächen achte ich aber auch auf Extrovertiertheit und Kommunikationsstärke. Dass einer nur gerne im Internet surft, reicht nicht." Die Beratungsgesellschaften stöhnen über den neuen Trend zum Wissensmanagement, der mittlerweile auch den Mittelstand erfasst hat - das bedeutet, dass der Markt an qualifizierten Researchern leergefegt ist. Nicht selten greifen sich die Beratungen deshalb ihren Nachwuchs frisch von der Uni. Pädagogen, Betriebswirte, selbst Naturwissenschaftler finden in der Suche nach Fakten und Kandidaten ihre Nische - eine Ausbildung gibt es für den Beruf ohnehin nicht. Beim Einstieg wird die Arbeit der Researcher mit etwa 60.000 bis 70.000 Mark im Jahr honoriert, später gibt es zwischen 80.000 und 90.000, oft plus Bonus. Und wen der Ehrgeiz packt, nicht länger Zulieferer zu sein, der kann - genügend "Biss" vorausgesetzt - zum Berater aufsteigen und fortan selbst Researcher beauftragen.