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#endlichfreitag zum Urlaubsende:Bitte lass' es noch nicht Morgen sein

Job-Kolumne #endlichfreitag

Sleepy Horror: Die Nacht vor dem ersten Arbeitstag ist fast so schlimm wie der Tag selbst.

(Foto: iStock)

Vor ihm gibt es kein Entrinnen - der erste Tag nach dem Urlaub. Übernächtigt schleppt sich der Arbeitnehmer ins Büro, um dort festzustellen: Etwas stimmt nicht. Haben Humanoide die Macht übernommen?

Job-Kolumne #endlichfreitag

Endlich Freitag. Hochgefühl! Ein letzter Gedanke an die verpatzte Präsentation am Montag, ein Erschauern im Rückblick auf das Get-together am Mittwochabend, schnell noch ein Papierkügelchen in Richtung des Kollegen im Polohemd geschnippt: Was Arbeitnehmer im Büro erleben und warum es immer wieder schön ist, wenn die Arbeitswoche rum ist - darum geht es in der Kolumne #endlichfreitag.

Der Herzschlag beschleunigt sich allein beim Gedanken daran, der Fluchtinstinkt ist überwältigend: Wie, wie nur wie soll man ihm entkommen, dem ersten Tag nach dem Urlaub? Krankmelden? Vielleicht könnte man eine Schalentiervergiftung aus Spanien mitbringen? Oder doch lieber eine fiktive Verwandte sterben lassen? Während die Arbeitnehmerin im Geiste eine rührige E-Mail an den Chef verfasst ("Meine Großtante Aleida und ich waren uns vielleicht nicht immer geografisch nahe. Aber stets im Herzen."), überfällt sie die Erkenntnis: Es wird kein Entrinnen geben.

Dieser letzte Urlaubstag, er ist so kostbar und gleichzeitig so wertlos. Ihn zu durchleben, ist, wie in einem Geisterhaus zu wohnen: Das Schreckgespenst Job kann jederzeit überall auftauchen. Buh! Protokoll eines Post-Urlaub-Martyriums.

00:21 Uhr Die schlaflose Arbeitnehmerin starrt an die Decke. Eine Schattenfratze - die verblüffende Ähnlichkeit mit dem Autor des Erholungsratgebers auf ihrem Nachttisch hat - verhöhnt sie: "Ich hab's dir doch gesagt! Wärst du vernünftig gewesen, hättest du dir deinen Wecker gestern auf neun Uhr gestellt. Das ist ja wohl selbst im Urlaub machbar! Aber nein, du musstest ja bis in den Mittag ausschlafen. Und dann dieses Nickerchen am Spätnachmittag - wie blöd kann man sein!?" Die Arbeitnehmerin dreht sich auf die Seite, boxt ins Kissen (woher kommen plötzlich all die Federklümpchen?) und befiehlt sich, zu schlafen.

00:30 Uhr Der Schlaf verweigert sich. Die Arbeitnehmerin erwägt, die Zeit sinnvoll zu nutzen und schon mal ihre Arbeitsmails zu checken - vielleicht wird es dann morgen nicht ganz so schlimm? Aber nein, aus Prinzip nicht, sie hat schließlich noch Urlaub. "Also, wenn man es genau nimmt ...", wendet die Deckenfratze ein. Schnauze, denkt die Arbeitnehmerin und kneift trotzig die Augen zusammen.

00:50 Uhr Es ist zwecklos. Sie tapst in die Küche und durchsucht den Vorratsschrank nach diesem einzelnen Beutel Schlaf- und Nerventee. Vergeblich. Mit einem Glas Weißwein kehrt sie ins Bett zurück. Zur weiteren Beruhigung schaltet sie den Fernseher ein, es läuft eine Wiederholung von CSI Irgendwas, ihr fallen die Augen zu.

01:40 Uhr Sie schreckt hoch: Ist schon Morgen? Bitte lass' es noch nicht Morgen sein! Auf dem TV-Schirm wackeln nackte Brüste - Gott sei Dank, noch nicht Morgen. Sie schaltet den Fernseher aus.

03:43 Uhr Ist schon Morgen? Bitte lass' es noch nicht Morgen sein! Gott sei Dank.

06:45 Uhr Ist schon Morgen? Bitte lass' es noch nicht Morgen sein! Mist ...

06:53 Uhr Die Arbeitnehmerin quält sich unter die Dusche, das Wasser ist höchstens lauwarm. Eigentlich wollte sie den Hausmeister in den Ferien bitten, den Boiler endlich richtig einzustellen - hatte sie wirklich zwei Wochen frei? Tropfend steht sie über ihrem Kalender: Kein Zweifel, verdammt.

07:24 Uhr Der Kaffee ist alle. Verdammt, verdammt, verdammt.