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Elite-Unis:Akademischer Besuchszirkus

Es wimmelt nur so vor lauter Fellows

Die Folge des Schismas: Es wimmelt nur so vor lauter Fellows in Deutschland. Denn sie wollen alle aus der Welt Nummer zwei in die Welt Nummer eins. An der Freiburger Universität etwa gibt es seit kurzem das "Freiburg Institute for Advanced Study (FRIAS)". Die Stelle des Pressesprechers ist noch ausgeschrieben, aber der Betrieb läuft schon. Von Oktober 2009 bis September 2010 wird, das steht schon fest, Lorenza Mondada, Linguistikprofessorin aus Lyon, im Schwarzwald weilen.

Der Clou aber ist, dass die "Sassen"nicht nur für internationalen Austausch sorgen - wer hat etwas gegen interessante Gäste aus dem Ausland? -, sondern dass sie auch Akademiker aus anderen deutschen Universitäten einladen. So gastiert seit dem Sommersemester bis zum März 2009 der Gießener Germanist Günter Oesterle an der neuen "FRIAS" in Freiburg, um über Literatur und kulturelle Erinnerung zu arbeiten. Schön für ihn, doch warum, so fragt man sich, kann er das nicht auch in Gießen machen?

Die Kulturgeschichte der Meerjungfrau

Der Politikwissenschaftler Andreas Busch wird 2009 Fellow des Hanse-Wissenschaftskollegs sein und sich dem Projekt "The politics and governance of privacy" widmen. Warum ist ihm das nicht an der Exzellenz-Universität Göttingen möglich, an die er soeben erst, zum Wintersemester 2008/09, aus Oxford berufen wurde? Und warum muss der Germanist Andreas Kraß an seiner genderbewussten Kulturgeschichte der Meerjungfrau - so lautet sein Thema - bis Januar 2009 am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) in Wien arbeiten, und nicht in Frankfurt am Main, wo er verbeamtet ist, um zu forschen und Studenten zu unterrichten?

Mit diesen Beispielen ist der neue akademische Besuchszirkus noch lange nicht erschöpft. Das Heidelberger "Karl Jaspers Center for Advanced Transcultural Studies (KJC)" stellt sich auf Visiting Fellows und Jahreskonferenzen ein, während die Münchner Universität mit ihrem "Center for Advanced Studies LMU (CAS)" in den Startlöchern liegt. Bezeichnend ist, dass diese neuen Institute in ihren Selbstbeschreibungen Bedingungen anpreisen, die eigentlich an jeder guten Universität normal sein sollten.

Phantasie-Institutionen

So verheißt das neue "LichtenbergKolleg" in Göttingen seinen Gästen "Freiraum für konzentriertes Forschen, einen intensiven wissenschaftlichen Austausch sowie für fachliche und fächerübergreifende Kooperationen". Und die Technische Universität München will mit ihrem "TUM Institute for Advanced Study (TUM-IAS)" etwas ganz Sagenhaftes schaffen: "eine Atmosphäre von Kreativität und Inspiration, von Freiheit und unbürokratischer Unterstützung für exzellente Wissenschaftler".

Jedem einzelnen Geistesarbeiter ist gewiss seine Auszeit zu gönnen, und zweifellos können viele gute Ideen beim fächerübergreifenden Dialog in der Berliner Luft oder beim badischen Wein geboren werden. Aber strukturell gesehen - was soll dieser exzessive Fellow-Leihverkehr? Warum werden die Mittel für diese neuen Phantasie-Institutionen bei wachsenden Studentenzahlen nicht in die Verbesserung des Kerngeschäfts der Universitäten gesteckt?

Jedenfalls werden wir in den nächsten Jahren beobachten können, wie Deutschland dermaßen advanced wird, man glaubt es kaum. Nach der Probezeit sollte man die Wissenschaftsfunktionäre dann unbedingt als Fellows an die TH Karlsruhe einladen. Dort gibt es ein renommiertes "Center for Disaster Management".