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Eklat an der Uni Göttingen:Seilschaften fordern ihre Opfer

Es gehörte freilich zu den vereinbarten Aufgaben des Professors, Lehre und Prüfungen zu verbessern; offenbar hatte es oft Beschwerden und Unklarheiten bei Prüfungen gegeben. Der Kursleiter und Prüfer von Frau Meier sagt, der Professor habe nicht versucht, seine Frau zu begünstigen. Dennoch machte ein anonymes Schreiben die Runde, das Meier der Manipulation bezichtigte. Studentenvertreter vermissen eine "transparente Prüfung des Sachverhalts". Sie sprechen von Seilschaften, denen Professor Meier zum Opfer gefallen sein könnte.

Schon bei der Berufung hatte es Widerstände gegen Meier gegeben, es tauchten Plagiatsvorwürfe auf, die sich aber als haltlos erwiesen. In Meiers Abteilung gab es offenbar mindestens einen Kollegen, der die Arbeit Meiers, der mit frischen Ideen nach Göttingen kam, hintertrieb. Meier versuchte, die Lehre und die Betreuung der Studenten zu reformieren, das mag nicht allen gefallen haben. Die Unileitung erklärt, von Mobbing sei ihr nichts bekannt.

Harter Schnitt

In kurzer Zeit warb Meier auch ein von der DFG gefördertes Forschungsprojekt ein. Unter anderen Umständen hätte ihn die Uni belobigt. Statt eines klärenden Gesprächs suchte die Uni den harten Schnitt und überreichte Meier die Kündigung.

Indirekt könnte er dabei auch zum Opfer einer ganz anderen Affäre geworden sein, die die Universität Göttingen zur fraglichen Zeit in Bedrängnis brachte. Im vergangenen Jahr flogen mehrere Wissenschaftler der Uni auf, die in einem anderen Fachbereich Forschungsgelder nicht korrekt verbucht und außerdem falsche Angaben zu ihren Publikationen gemacht hatten. Der Fall machte bundesweit Schlagzeilen, die Hochschulleitung unter dem Präsidenten Kurt von Figura stand unter öffentlichem Druck.

Angst vor schlechten Nachrichten

Da hatte die Universität im Falle Meiers allen Grund, Angst vor weiteren schlechten Nachrichten zu bekommen, wenn sie nicht hart einschritt: Ein Professor, der in den Ruch kommt, seine Frau durch eine Prüfung geschleust zu haben - wollte die Hochschule den Eindruck vermeiden, Mauscheleien zu decken, musste sie etwas unternehmen. Freilich: In dieser Logik hätte sie es von vornherein nie zulassen dürfen, dass Frau Meier am Institut ihres Mannes studierte und von dessen Mitarbeitern geprüft wurde.

Meiers Schicksal ist nur eine Fußnote in der Geschichte der ehrwürdigen Universität Göttingen. Aber im Leben der Meiers entfaltet die Episode eine ungeheure Wucht. Es geht nicht nur um die Stelle, um das Geld und die Karriere. Es geht auch um den Ruf und die Ehre eines Mannes, der sich in eine höchst unglückliche Lage manövrieren ließ.